Fallen-Gods-of-Olympus – 291 Seiten – 2024 erschienen – dp-Verlag
Fallen Gods of Olympus von G.L.M. Nani bewegt sich im Genre der Romantasy / Urban Fantasy – einer Mischung also aus Liebesgeschichte, übernatürlichen Elementen und moderner Schul-/Jugendsetting-Atmosphäre. Es handelt sich nicht um einen Teil einer Reihe, sondern um einen in sich geschlossenen Roman, der mythologische Motive mit dem alltäglichen Schulalltag verbindet. Ganz bewusst nutzt Nani hier die griechische Götterwelt, speziell die Figur Eros und seine Geschwister, hebt sie aber aus dem Olymp herab, zwingt sie zur Anpassung an menschliche Regeln und prüft, was passiert, wenn übernatürliche Wesen ihre göttlichen Fähigkeiten einschränken müssen. Damit ordnet sich das Buch gut ein neben anderen jungen Fantasy-Titeln, die Mythologie in eine moderne Highschool oder Internatsumgebung übertragen; es spricht vor allem junge Leserinnen und Leser an, die Romantik, Coming-of-Age und göttliche Konflikte mögen.
Siela beginnt ihr letztes Schuljahr an einem Internat und möchte möglichst unauffällig bleiben. Doch alles ändert sich, als sie an ihrem ersten Tag auf Eros trifft, der ebenso schön wie arrogant wirkt, und zusammen mit seinen Geschwistern vom Olymp verstoßen wurde. Ihre Begegnungen bleiben nicht oberflächlich: Schon bald werden Siela und Eros dazu verdonnert, gemeinsam die Hauptrollen in einer Abschlussaufführung zu übernehmen. Für Eros ist das zunächst Teil seiner Strafe. Nach einem Fehlverhalten auf dem Olymp wurde ihm und den anderen göttlichen Jugendlichen verboten, ihre Gaben zu nutzen oder sich wie Götter zu verhalten. Menschen sind nun die Umgebung, Regeln gelten, in denen Gefühle und Identitäten eine neue Rolle spielen. Zwischen Schule, Theaterproben und den eigenen Identitätsfragen spitzt sich die Spannung zu, denn Siela ist hin-und hergerissen: Sie fühlt sich von Eros angezogen, gleichzeitig stößt sie sich an seiner Arroganz und an seiner göttlichen Hintergrundgeschichte. Es geht nicht nur um Liebe und Verlangen, sondern auch darum, welche Grenzen zwischen göttlichem Sein und menschlicher Verletzlichkeit existieren, wie man sich selbst findet, wenn man Teile der eigenen Identität verbergen muss, und wie man mit Schuld, Familiengeschichte und Erwartungen umgeht.
Der Erzählstil von Nani ist flüssig, direkt und weitgehend dialogreich, was das Lesen leicht macht. Sie schafft es, den Alltag eines Internats lebendig darzustellen, Schulflure, Aula, Theaterproben, soziale Dynamiken, und mischt diese vertrauten Szenen mit den mystischen Momenten des Göttlichen, wodurch eine stimmungsvolle Spannung entsteht. Die mythologischen Elemente werden nicht als trockene Legenden eingebaut, sondern wirken durch Eros, seine Geschwister und die Strafe vom Olymp eher wie eine verborgene Übermacht, die gedrängt wird, sich zu zügeln, und gerade diese Zurückhaltung der Götter erzeugt einen interessanten Kontrast zu ihrer göttlichen Herkunft. Dadurch werden Gefühle, Zweifel und Selbstzweifel stärker betont, als große Showeffekte oder actionreiche Götterkämpfe. Das Erzähltempo schwankt: Am Anfang eher gemächlich, um Figuren und Setting aufzubauen, mit vielen kleinen Szenen, in denen Siela und Eros sich abtasten, ihre Gegensätze spüren, später zu einer emotionaleren Verdichtung, wenn Gefühle, Konflikte und Geheimnisse zunehmend in den Vordergrund rücken. Atmosphärisch dominiert eine Mischung aus Sehnsucht (nach Freiheit, nach Identität), Spannung (wegen der göttlichen Strafe und der Regel, dass Kräfte nicht gezeigt werden dürfen) und Romantik, aber auch ein bisschen Rebellion gegen die festgefahrenen göttlichen Regeln. Es gibt Momente, in denen das Internatsleben sehr real wirkt, und andere, in denen das Göttliche fast mehr eine Metapher bleibt, weil die Macht und der Mythos eher angedeutet als ausgekostet werden. Insgesamt schafft Nani eine schöne Balance: nicht zu schwer, aber auch nicht oberflächlich; nicht zu spektakulär, aber mit genug Magie, um zu fesseln.
Eine der größten Stärken liegt für mich in den Figuren: Siela als Protagonistin wirkt reflektiert, ehrlich mit sich selbst; ihre Gedankenwelt, ihre Zweifel und ihre wachsende Entwicklung sind nachvollziehbar. Auch das Motiv der Strafe, dass göttliche Wesen ihre Kräfte einschränken müssen, ist reizvoll und bietet viele emotionale Konfliktfelder. Die Mischung aus Mythologie und Internats-Romance ist eingängig, die Szenen mit Theaterproben geben der Handlung eine schöne Bühne (buchstäblich) für Spannung und Nähe. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Liebesgeschichte nicht sofort geglättet wird: Eros’ Arroganz, seine göttliche Vergangenheit, Sielas Zurückhaltung, all das sorgt dafür, dass es nicht nur rosarot wird, sondern auch Konflikte spürbar sind.
Manchmal hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, besonders in Bezug auf die göttliche Mythologie. Wie sehr spürt man, dass Eros und seine Geschwister ihre göttliche Herkunft wirklich vermissen, oder was sie wirklich verloren haben? Für mich waren manche Perspektivenwechsel und Zeitsprünge etwas unübersichtlich, wodurch bestimmte Entwicklungen ein wenig sprunghaft wirken. Ebenfalls wirkt Eros’ Charakterentwicklung nicht ganz so stark wie die von Siela: Er bleibt phasenweise etwas blass, besonders wenn man sich gewünscht hätte, mehr Einsicht in sein Innenleben zu bekommen. Darüber hinaus hätte das Ende für mich an einigen Stellen runder sein dürfen. Manche Konflikte werden gelöst, andere bleiben offen, was zwar einerseits Raum für Nachdenken oder einen möglichen Folgeband lässt, andererseits aber auch das Gefühl hinterlässt, dass nicht alles befriedigend geklärt ist. In manchen Momenten neigt die Geschichte auch zu typischen Klischees der „Enemies to Lovers“-Romance, etwa dass Anziehung und Spannung zwar vorhanden sind, aber manchmal zu sehr auf Vorhersehbarkeit setzen.
Persönlicher Eindruck
Als ich Fallen Gods of Olympus gelesen habe, hat mich besonders das Gefühl begeistert, zwischen zwei Welten zu stehen und wie die Figuren damit zu ringen. Siela habe ich oft als Spiegel erlebt: Wie sehr möchte man einfach dazugehören, ohne aufzugeben, wer man ist. Diese innere Spannung wurde für mich zu einem zentralen Erlebnis. Eros fand ich spannend, gerade weil er nicht der perfekte Schönling ist, sondern mit seiner Vergangenheitslast zu kämpfen hat, wenngleich ich manchmal wünschte, dass dessen Innenleben und Emotionen klarer herausgearbeitet würden. Besonders berührend war die Szene, in der Siela realisiert, dass sie nicht einfach nur Zuschauerin sein kann, sondern dass ihr Mut und ihre Entscheidungen Bedeutung haben, auch im Schatten göttlicher Erwartungen. Auch die Theaterproben waren für mich Highlights: Sie ermöglichten Nähe, Konflikte, Spaß, auch Zusammenarbeit, Szenen, in denen die Chemie zwischen den Figuren sichtbar wurde. An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, ich lese eine Jugendliebe-Story, die man schon kennt, und dennoch hat Nani genug eigene Ideen, genug mythologische Elemente und Reibung eingebaut, dass es frisch bleibt. Beim Lesen merkte ich, wie ich gerne mehr über die Götterwelt erfahren hätte, manchmal sehnte ich mich danach, dass ihre göttliche Seite sichtbarer wäre, nicht nur in Schuld, Strafe oder Arroganz, sondern in Macht, Verantwortung oder Mythos.
Fallen Gods of Olympus: Strafe der Götter ist für mich eine gelungene Romantasy, die besonders Leser*innen anspricht, die eine Liebesgeschichte unter übernatürlichen Voraussetzungen mögen und sich nicht daran stören, wenn manche mythische Details eher angedeutet sind als ausgearbeitet. Die Geschichte bietet Charme, Herz, ein internatsnahes Umfeld mit all seinen Unsicherheiten und das göttliche Geheimnis als spannender Hintergrund. Für mich bleibt sie in Summe unterhaltsam, gefühlvoll und ideal zum Abschalten und Eintauchen – aber eben nicht unbedingt ein Werk, das einen komplett umhaut oder lange nachklingt.
✨ Bewertung: 3,5 von 5 Sternen
Wer erwartet, große mythologische Offenbarungen, knallharte Götterdramen oder eine tiefgehende Charakterstudie auf allen Ebenen, könnte teils enttäuscht sein. Aber als Sommerlektüre, als Spiel mit göttlichen Grenzen und jungem Herzblut funktioniert das Buch sehr gut.
