Crowns-Of-Nyaxia-1 – 544 Seiten – dtv-Verlag – 2024 erschienen
Mit The Serpent and the Wings of Night hat Carissa Broadbent einen Roman geschrieben, der sich schnell zu einem Liebling der Romantasy-Leserschaft entwickelt hat. Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass dies keine gewöhnliche Liebesgeschichte ist, sondern ein düsteres, atmosphärisch dichtes Werk, das Leserinnen und Leser in eine Welt voller Vampire, Machtspiele und verbotener Gefühle entführt. Der Auftakt zur „Crowns of Nyaxia“-Reihe ist sowohl brutal als auch poetisch, sowohl erschreckend als auch zutiefst berührend.
Im Zentrum der Handlung steht Oraya, eine sterbliche junge Frau, die inmitten einer Gesellschaft voller Vampire großgeworden ist. Aufgezogen vom Vampirkönig Vincent, muss sie täglich beweisen, dass sie trotz ihrer Verletzlichkeit eine Daseinsberechtigung in dieser gnadenlosen Welt hat. Ihre Chance, ihre Position zu festigen, bietet sich, als das „Kehar“ ausgerufen wird – ein blutiges Turnier, das über Macht und Schicksal entscheidet. Oraya beschließt, daran teilzunehmen, wohlwissend, dass ihr jedes Aufeinandertreffen den Tod bringen könnte. Doch gerade in dieser bedrohlichen Umgebung begegnet sie Raihn, einem geheimnisvollen Krieger, mit dem sie eine Verbindung eingeht, die ihr Leben für immer verändern wird.
Carissa Broadbents Sprache ist bildgewaltig, ohne dabei überladen zu wirken. Ihre Beschreibungen sind eindringlich und intensiv, die Dialoge präzise und emotional aufgeladen. Besonders eindrucksvoll gelingt es ihr, eine düstere, beklemmende Atmosphäre zu erschaffen, die den Leser immer wieder an die Grenzen von Grausamkeit, Schmerz und Gefahr führt. Doch zwischen diesen harten Szenen finden sich auch poetische Momente voller Intimität, die wie kleine Lichtstrahlen wirken. Diese Balance zwischen Dunkelheit und Zartheit macht den Roman einzigartig.
Die Welt selbst ist detailreich und komplex aufgebaut. Nyaxia, die Göttin der Vampire, und die Strukturen der verschiedenen Clans, Rituale und politischen Machtspiele wirken durchdacht und lebendig. Alles fügt sich zu einem Universum, das sowohl fremd als auch faszinierend vertraut erscheint.
Die größten Stärken des Romans liegen in seiner Figurenzeichnung und der Atmosphäre. Oraya und Raihn sind Figuren, die man nicht loslassen kann, und ihre Beziehung ist so komplex und intensiv, dass sie den Kern der Geschichte trägt. Auch das Turnier als dramaturgisches Element ist hervorragend gewählt, denn es sorgt nicht nur für Spannung, sondern bietet auch den Raum, in dem sich die Figuren entwickeln können. Die Welt ist reich und komplex, sodass man tief in sie eintauchen kann, ohne dass sie je konstruiert wirkt.
Eine mögliche Schwäche liegt im düsteren Grundton der Geschichte. Wer leichte, unbeschwerte Liebesgeschichten sucht, wird hier nicht fündig werden. Auch die Brutalität der Kämpfe und die Grausamkeit der vampirischen Gesellschaft könnten manchen Leserinnen zu viel sein. Zudem gibt es einzelne Passagen, in denen die Handlung vorhersehbar erscheint, was jedoch durch die emotionale Intensität der Figuren wieder ausgeglichen wird.
Persönlicher Eindruck
Für mich war The Serpent and the Wings of Night ein absoluter Höhepunkt im Genre. Es ist kein Buch, das man nebenbei liest, sondern eines, das fordert und unter die Haut geht. Oraya ist eine Protagonistin, die mich durch ihre Verletzlichkeit und ihre innere Stärke gleichermaßen bewegt hat, und Raihn ist eine Figur, die man nie ganz durchschaut und gerade deshalb nicht aus den Augen lassen kann. Die Liebesgeschichte zwischen ihnen ist düster, intensiv und alles andere als einfach – genau das macht sie so glaubwürdig.
Ich habe jede Seite mit Spannung verfolgt, habe mit den Figuren gelitten und gehofft, und am Ende blieb ein Gefühl, das mich noch lange nach dem Zuklappen des Buches begleitet hat. Es ist eine Geschichte, die nicht nur unterhält, sondern auch Fragen nach Zugehörigkeit, Vertrauen und Identität aufwirft.
Carissa Broadbent hat mit The Serpent and the Wings of Night einen Roman geschaffen, der sich mühelos in die erste Reihe der Romantasy einreiht und gleichzeitig eine eigene, unverwechselbare Stimme hat. Es ist düster, atmosphärisch, manchmal schmerzhaft, aber immer fesselnd und voller Gefühl. Wer bereit ist, sich auf diese Mischung aus Brutalität und Zärtlichkeit einzulassen, wird mit einer Geschichte belohnt, die man nicht so schnell vergisst.
✨ Bewertung: 4,5 von 5 Sternen
Ein packender Auftakt, der düstere Romantik, komplexe Figuren und eine intensive Atmosphäre meisterhaft vereint.
