Very-Bad-Bastards – 300 Seiten – 2022 erschienen
Very Bad Bastards ist der sechste Band der Kingston University-Reihe von J. S. Wonda. Die Reihe ist bekannt dafür, Spannung, Machtspiele, Intrigen und intensive romantische Verstrickungen mit Collegesetting und einer Gruppe von dominanten, oft widersprüchlichen männlichen Charakteren zu verbinden. In diesem Band führt Wonda die Handlung weiter, nachdem in den Vorgängerbänden bereits erhebliche Konflikte geschaffen wurden, und verbindet politische Macht, Loyalität, Geheimnisse und gefährliche Emotionen miteinander.
In Very Bad Bastards wird Mable, die Protagonistin, erneut in Lebensgefahr gebracht – der „Zirkel“ hat sein wahres Gesicht gezeigt, und ein Anschlag hat Spuren hinterlassen. Mable musste überleben, jetzt steht sie vor der Herausforderung, sich zu erholen, zu vertrauen und herauszufinden, wer ihr Feind ist – oder ob jemand, dem sie vertraut hat, sie verraten hat. Jaxon Tyrell, einer der Kings, rückt ins Zentrum ihrer Ängste und Zweifel: Hat er etwas mit dem Anschlag zu tun? Können die anderen Kings sie ausreichend beschützen? Wem kann sie glauben? Dabei geht es nicht nur um unmittelbare Gefahr, sondern um Loyalität innerhalb der Gruppe, verratene Versprechen, Eifersucht, Machtgefälle und die Frage, wie viel Einfluss Gefühle selbst in einer Welt voller Schutzmechanismen und Fassade haben.
Die Geschichte spielt im dritten Semester an der Kingston University – damit mitten in der Phase, in der die Konflikte eskalieren und Enttäuschungen, Geheimnisse und Enthüllungen zunehmend das Bild bestimmen. Wichtig ist: Obwohl dieser Band eine Fortsetzung ist, gelingt es der Autorin weitgehend, neue Leser nicht zu überfordern, da früh genug angedeutet wird, worum es geht, wer die wichtigsten Figuren sind und was bereits geschehen ist, ohne dass man alle Details der Vorgänger kennen muss (wenn auch der emotionale Gewinn größer ist, wenn man die Vorgänger gelesen hat). Die Spannung wird von vorne an aufgebaut: Mable erholt sich von dem Anschlag und versucht zugleich, nicht nur physisch wieder auf die Beine zu kommen, sondern auch mental und emotional: Wer ist Freund, wer Feind? Welche Beziehung will sie denn mit wem? Und was passiert, wenn aus Schutz Instabilität wird?
Was mir an Wondas Stil in Very Bad Bastards besonders aufgefallen ist, ist die Kombination aus schnellem Erzähltempo und dichter, emotional aufgeladener Atmosphäre. Der Einstieg ist intensiv, da direkt nach dem Angriff Spannung herrscht: Mable ist verletzt, verwundbar – physisch und psychisch – und die Frage nach dem Täter, nach dem Verrat, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Die Autorin nutzt dies, um Erwartungen zu wecken: wer ist schuld, wer steht zu wem, wer hält was aus.
Sprachlich ist das Buch relativ direkt und unverblümt. Die Dialoge sind oft scharf, spitz, voller Andeutungen; die Beschreibungen tendieren dazu, Gefühle in Extremen darzustellen – Angst, Verlangen, Eifersucht, Wut. Es gibt viele Momente, in denen Worte wie Schmerz oder Schuld oder Verrat nicht nur implizit sind, sondern offen ausgesprochen werden. Das passt zum Genre und zur Stimmung, weil es darum geht, dass die Protagonistin sich beweisen muss – gegenüber sich selbst, aber auch gegenüber Menschen, die Macht über sie haben oder sich Macht anmaßen.
Wonda arbeitet mit starken Bildern und mit Dramatisierung: Szenen, in denen Mable sich aus der Schwäche erhebt, in denen Loyalitäten geprüft werden, in denen die Gefahr spürbar wird. Gleichzeitig gibt es intimere Szenen, die nicht allein der Erotik dienen, sondern Einblicke in Ängste und Abhängigkeiten bieten. Hier wirkt der Stil, als wolle er nicht nur unterhalten, sondern auch mitreißen, und oft gelingt das sehr gut.
Die Atmosphäre insgesamt ist düsterer als in manchen früheren Bänden: Der Verrat, die Gefahr, das Misstrauen – sie überlagern manches romantische Element. Die Universität als Ort der Machtspiele, der Ungewissheit, der sozialen Hierarchien wird plastisch beschrieben. Das Setting wirkt wie ein Käfig, in dem Mable und die Kings gleichzeitig gefangen sind – gefangen durch ihre eigenen Geheimnisse, durch Erwartungen von außen und innen.
Anfangs zieht die Erholung Mables und die Folgen des Angriffs das Buch noch etwas auseinander, man spürt, dass Kraft aus der Verletzlichkeit schöpfen muss. Doch je weiter man liest, desto mehr verdichten sich die Ereignisse: Enthüllungen, Spannungszuspiele, emotionale Anstürme bauen sich auf, die das Tempo verstärken. Es gibt Wendungen, die man nicht unbedingt vorhersehen kann, und Momente, in denen man innehalten muss – nicht wegen der expliziten Szenen allein, sondern weil manche Enthüllung oder Entscheidung von Figuren so grell sind, dass sie Nachklang haben.
Wie bei fast jedem Buch gibt es Stärken und Schwächen, und bei Very Bad Bastards sind sie teils eng verbunden.
Zu den größten Stärken gehört die Fähigkeit der Autorin, emotionale Intensität zu erzeugen. Ich war mehrfach richtig gefesselt, nicht unbedingt, weil alles perfekt konstruiert wäre, sondern weil ich mitfiebern konnte mit Mable, mit den Kings, mit dem Misstrauen und der Ungewissheit. Die Mischung aus Erotik, Gefahr und Handlung sorgt dafür, dass es nie langweilig wird, und man will wissen, wie es weitergeht – wer verraten wird, wer verletzt wird, wer möglicherweise Opfer oder Täter ist.
Ein weiterer Pluspunkt ist, wie Charaktere immer wieder neue Seiten zeigen. Beispielsweise Jaxon als jemand, der zunächst stark und kontrolliert wirkt, aber mit dem Anschlag und den daraus resultierenden Spannungen bröckelt, und auch andere Kings, deren Loyalitäten und Motivationen nicht statisch sind. Auch die Dynamik zwischen ihnen und Mable hat Beweglichkeit: Gefühle, Eifersucht, Macht und auch Verletzlichkeit wechseln sich ab und sorgen für emotionale Komplexität.
Die Thematik von Macht, Verrat, Schutz und Selbstbehauptung wird solide behandelt – das Buch zeigt, wie gefährlich es sein kann, wenn man nicht weiß, wem man trauen kann, und wie stark der psychische Einfluss von Manipulation, Geheimnissen und ungelösten Konflikten ist. Viele Leser*innen finden gerade das spannend: dass die Handlung nicht nur romantisch-erfüllt ist, sondern dass auch Drohung, Misstrauen und existentielle Angst mitschwingen.
Auf der Schattenseite liegt für mich, dass manche Figuren, besonders Mable, nicht immer klar in ihrer moralischen Linie sind. Es gibt Momente, in denen ihr Verhalten schwer nachvollziehbar ist, oder Entscheidungen, die stark aus dem Drehbuchtypisch-Genre stammen, etwa wenn Eifersucht oder Manipulation überhand nehmen, ohne dass sie immer konsequent reflektiert werden. Dadurch wirkt sie stellenweise weniger als eigenständige Figur, sondern mehr als Dreh- und Angelpunkt für das Drama, das um sie herum geschieht.
Auch sind die expliziten Szenen und die Erotikteil stark präsent – wer damit Probleme hat, oder wer mehr Tiefgang in Handlung und Charakterentwicklung erwartet, wird hier teilweise enttäuscht sein. Es gibt Stellen, an denen die Spannung durch die Erotik überlagert wird, sodass das Gefühl aufkommt, dass manche Konflikte stärker dramatisiert als wirklich aufgebaut sind.
Außerdem: Der Cliffhanger am Ende ist wirksam, keine Frage. aber er hinterlässt auch Fragen, die nicht alle befriedigend beantwortet werden. Manche Geheimnisse bleiben bewusst diffus, manche Zusammenhänge wirken konstruiert. Das stört, wenn man mehr kohärente Plotlogik erwartet.
Persönlicher Eindruck
Als ich Very Bad Bastards gelesen habe, war ich zwischendrin wirklich innerlich zerrissen: zwischen Faszination und Widerstand. Mable ist eine Protagonistin, deren Verletzlichkeit mich mitgenommen hat – nach dem Angriff, in ihrer Heilungsphase, in ihrem Misstrauen. Ich habe mitgelitten, wenn sie sich zurückziehen wollte, aber gleichzeitig auch mitgefiebert, wenn sie standhaft war. Es ist nicht leicht mit ihr, oft fühlt man sich ihr nah, manchmal versteht man sie kaum und das macht sie besonders.
Die Kings-Figuren sind für mich ein ständiges Spannungsfeld. Sie sind attraktiv, dominant, komplex, einige wirken fast schon mythisch in ihrer Macht, und dann bröckeln sie. Sie weisen Schattenseiten auf, und oft auch Schuld oder Verletzlichkeit. Diese Mischung macht sie stark in ihrer Wirkung, gerade weil man nie sicher ist, ob sie freundlich oder gefährlich sind. Diese Unsicherheit zieht sich durch viele Szenen und trägt einen großen Teil zur Spannung bei.
Besonders bewegend fand ich die Szenen, in denen Gefühl und Angst sich überlagern. Wenn Mable wieder in ihr Leben zurückkehrt, sich erholt, und trotzdem spürt, dass sie niemals ganz sicher ist. Wenn Vertrauen aufgebaut werden soll, aber ein kleines Geheimnis, ein Flüstern, ein Blick alles verändern kann. Solche Momente, in denen nicht viel passiert, aber das Gefühl, dass etwas unter der Oberfläche brodelt, fand ich besonders stark und sie wirken noch lange nach.
Auch Momente der Eifersucht oder des Liebeskummers, nicht nur weil sie romantisch sind, sondern weil sie zeigen: Beziehungen sind Machtspiele, und Liebe kann bedeuten, zu riskieren, verletzt zu werden. Diese Gefahr macht für mich den Reiz dieses Buches aus.
Manchmal war ich genervt, wenn Dinge überdramatisiert schienen oder wenn Mable in ihrem eigenen Inneren springt , jetzt stark, dann zweifelnd, dann verletzt usw. Das kann emotional anstrengend sein, aber genau das gehört, denke ich, zum Konzept. Ich durfte oft ein Teil dieser Achterbahn sein, und das hat mich sowohl mitgerissen als auch manchmal erschöpft. Doch insgesamt überwog das Mittreiben-Gefühl: Ich wollte wissen, wie sie sich positioniert, wer ihr Vertrauen verdient, ob sie über sich hinauswächst.
Very Bad Bastards ist ein intensiver Band in der Kingston-Reihe, der Gefahr, Macht und Leidenschaft so verwebt, dass man ihn kaum aus der Hand legen mag. Wer schon die vorherigen Bände mochte, wird hier bekommen, was Erwartungen sind: eine Fortführung voller Intrigen, verletzter Gefühle und großer Emotionen, allerdings auch mit Ecken, an denen man das Genre deutlich spürt, die manchmal etwas überzeichnet wirken. Ich finde, dass das Buch genau das leistet, was es will: Spannung bieten, Gefühle aufwühlen, romantische Fantasien mit dunklem Einschlag bedienen, und dabei eine Protagonistin zeigen, die wächst, auch wenn sie manchmal stolpert.
✨ Bewertung: 4 von 5 Sternen
Nicht perfekt, aber sehr stark – ein Muss für Fans von Dark Romance / Reverse Harem, die bereit sind, Gefühle auszuhalten, Geheimnisse mitzutragen und in ein Universum einzutauchen, in dem die Elite nicht nur verführt, sondern auch bedroht.
