Fourth-Wing-Band-3 – 928 Seiten – dtv-Verlag – 2025 erschienen
Mit Onyx Storm, dem dritten Band ihrer Empyrean-Reihe, liefert Rebecca Yarros erneut ein packendes Abenteuer, das Violets Geschichte nach Fourth Wing und Iron Flame fortsetzt. Der Fokus liegt nun auf epischen Schlachten, politischen Allianzen und dem verzweifelten Versuch, Xaden zu retten. Nachdem der Vorgänger mit einem Cliffhanger endete, steigen die Erwartungen hoch – und Onyx Storm schlägt ein wie ein heftiger Sturm: Verkaufsrekorde werden gebrochen, Fans feiern, und doch wirft der Band Fragen auf, ob er inhaltlich hält, was ihn erwartet.
Die Geschichte beginnt unmittelbar nach Iron Flame, als sich die Königreiche Navarre, Poromiel und die Rebellion in Tyrrendor verbünden, um der Bedrohung durch die Venin entgegenzutreten. Violet begibt sich auf eine Mission, um Xaden zu retten, der sich in einen Venin verwandelt hat – und sie ist bereit, alles dafür zu tun. Gleichzeitig bringt ein Überfall die Verteidigungsanlagen der Akademie in Gefahr und Violet muss sich einer neuen, mysteriösen Venin-Gegnerin stellen.
Währenddessen erschüttert ein Sturm das Land – die magische Balance scheint gestört. Violet entdeckt, dass ihr Drache Andarna der Schlüssel zu einer uralten Macht ist, doch ihre Beziehung wird auf die Probe gestellt. Intrigen, Geheimnisse und eine dramatische Enthüllung beenden den Band mit einem aufrüttelnden Cliffhanger, der Fans gleichermaßen begeistert und irritiert zurücklässt.
Yarros‘ Stil bleibt flüssig, direkt und hochgradig emotional. Sie versteht es, ihre Leser mitten in die Handlung zu ziehen, sei es durch hitzige Dialoge, intensive Kampfszenen oder leise Momente der Introspektion. Besonders auffällig in Onyx Storm ist die düsterere Atmosphäre. Wo Fourth Wing noch Abenteuerlust und Neugier weckte und Iron Flame das Fundament für Misstrauen und politische Intrigen legte, herrscht hier eine Stimmung, die fast apokalyptisch wirkt.
Die ständige Bedrohung durch Verrat und Krieg legt sich wie ein Sturm über die Handlung, passend zum Titel. Gleichzeitig gelingt es Yarros, immer wieder kleine Lichtblicke einzubauen – Momente des Humors, der Liebe und der Freundschaft –, die verhindern, dass die Geschichte zu schwer oder bedrückend wird.
Die größte Stärke von Onyx Storm liegt ohne Zweifel in den Figuren. Kaum eine aktuelle Fantasyreihe schafft es, Charaktere derart menschlich zu zeichnen und gleichzeitig in eine Welt voller Magie und Drachen einzubetten. Violet, Xaden, Brennan und die Drachen wirken so lebendig, dass man sie fast persönlich kennt. Die emotionale Intensität, mit der Yarros die Beziehungen zwischen ihnen schildert, sorgt für eine starke Bindung zwischen Leser und Geschichte.
Auch das Worldbuilding entwickelt sich organisch weiter. Die politischen Ränkespiele, die unterschiedlichen Loyalitäten und die moralischen Grauzonen geben der Handlung eine Tiefe, die man in diesem Genre nicht immer findet.
Auf der anderen Seite gibt es auch hier Momente, in denen das Pacing schwankt. Manche Abschnitte, die sich stark auf politische Diskussionen konzentrieren, wirken etwas langatmig und könnten straffer erzählt sein. Ebenso könnte man argumentieren, dass das Drama zwischen Violet und Xaden gelegentlich repetitiv wird, da Geheimnisse und Misstrauen mehrmals thematisiert werden. Doch diese Schwächen sind eher Nuancen, die den Gesamteindruck kaum trüben.
Persönlicher Eindruck
Onyx Storm hat mich tief berührt und gleichzeitig herausgefordert. Es ist kein Buch, das man einfach wegliest, sondern eines, das man durchlebt. Besonders die Entwicklung von Violet, ihre zunehmende Entschlossenheit und gleichzeitig ihr Festhalten an Empathie, machen sie für mich zu einer der besten Fantasy-Heldinnen der letzten Jahre. Die Spannung zwischen ihr und Xaden hat mich teilweise zur Weißglut gebracht – aber genau das macht die Geschichte so realistisch. Beziehungen sind nicht immer einfach, und Yarros scheut sich nicht, diese Wahrheit in all ihren Facetten zu zeigen.
Die Drachenmomente haben mir persönlich am meisten Freude gemacht. Tairns bissige Kommentare und Andarnas Wachstum als eigene Figur haben immer wieder dafür gesorgt, dass ich lachen oder staunen musste. Sie sind das emotionale Gegengewicht zu den düsteren Entwicklungen und zeigen, dass diese Reihe nicht nur Drama und Krieg, sondern auch Herz hat.
Mit Onyx Storm beweist Rebecca Yarros, dass die Empyrean-Reihe mehr ist als ein Hype-Phänomen. Sie liefert eine dichte, packende und emotional vielschichtige Geschichte, die sowohl mit epischen Schlachten als auch mit intimen Momenten überzeugt. Die Charaktere stehen dabei klar im Mittelpunkt, und gerade ihre Entwicklung sorgt dafür, dass man mitfiebert, leidet und hofft. Trotz kleinerer Längen bleibt der Band ein kraftvoller Teil der Saga, der Lust auf das große Finale macht.
✨ Bewertung: 4,5 von 5 Sternen
Onyx Storm vereint politische Intrigen, epische Drachenmomente und eine der komplexesten Liebesgeschichten der aktuellen Fantasy. Ein starker, emotionaler Band, der die Reihe auf ein neues Niveau hebt.
