Zatalon-1 – 436 Seiten – 2026 erschienen
Mit Zatalon – Und die Reise der Verwandlung entführt Carmanda Bücherhexe ihre Leserinnen und Leser in eine fantasievolle Welt, in der Magie, Gestaltwandlung und gefährliche Prüfungen eng mit einer sehr persönlichen Suche verbunden sind. Der Roman bildet den Auftakt einer Fantasyreihe und verbindet klassische Elemente einer fantastischen Abenteuerreise mit emotionalen Themen wie Verlust, Selbstfindung, Freundschaft und der Frage, wie gut man einen geliebten Menschen tatsächlich kennt. Schon die Ausgangslage unterscheidet sich angenehm von vielen bekannten Fantasygeschichten: Im Zentrum steht keine junge Auserwählte, die zufällig in ein Abenteuer stolpert, sondern eine verheiratete Frau, deren bisheriges Leben durch das Verschwinden ihres Mannes vollständig aus den Fugen gerät. Gerade dadurch erhält die Geschichte von Beginn an eine gewisse emotionale Schwere, obwohl sie zugleich von märchenhaften, humorvollen und beinahe verspielten Momenten geprägt ist. Carmanda Bücherhexe erschafft mit Zatalon einen Ort, der geheimnisvoll und farbenreich wirkt, aber auch zahlreiche Gefahren verbirgt. Hinter ungewöhnlichen Wesen, magischen Fähigkeiten und fantastischen Schauplätzen steht deshalb immer eine menschliche Geschichte. Für mich war das Buch vor allem eine Reise der Veränderungen: Viola sucht zunächst nach ihrem Mann, muss dabei jedoch erkennen, dass sie zugleich nach ihrer eigenen Identität sucht. Diese Verbindung aus äußerem Abenteuer und innerer Entwicklung macht Zatalon zu einem ungewöhnlichen Reihenauftakt, der nicht nur unterhalten möchte, sondern auch Themen wie Selbstvertrauen, Abhängigkeit und persönliche Stärke aufgreift.
Violas Leben verändert sich grundlegend, als ihr Mann plötzlich verschwindet. Verzweifelt versucht sie herauszufinden, was mit ihm geschehen ist und wohin er gegangen sein könnte. Ihre Suche führt sie schließlich weit über die Grenzen ihrer vertrauten Welt hinaus. Um ihrem Ziel näherzukommen, muss sie sich den sogenannten Haxe-Hook-Spielen stellen, einer Reihe gefährlicher Prüfungen, bei denen Mut, Ausdauer und die Fähigkeit, anderen zu vertrauen, über Erfolg oder Scheitern entscheiden. An ihrer Seite befindet sich ihr treuer Dackel Scooby, der nicht nur für humorvolle und herzliche Momente sorgt, sondern Viola auch emotionalen Halt gibt. Während ihrer Reise begegnet sie außerdem dem geheimnisvollen Baston. Er wird zu einem wichtigen Begleiter, bleibt für Viola jedoch zunächst schwer einzuschätzen. Je näher sie der mysteriösen Stadt Zatalon kommt, desto stärker gerät ihr bisheriges Verständnis der Wirklichkeit ins Wanken. Sie entdeckt eine Welt voller Magie und außergewöhnlicher Wesen und muss schließlich erkennen, dass auch in ihr selbst Fähigkeiten schlummern, von denen sie bislang nichts wusste. Um ihren Mann wiederzufinden, muss Viola verschiedene Rätsel lösen und sich Gefahren stellen, die nicht nur ihren Körper, sondern auch ihre Überzeugungen auf die Probe stellen. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass ihre Suche nach einem verschwundenen Menschen untrennbar mit der Suche nach sich selbst verbunden ist.
Der Schreibstil von Carmanda Bücherhexe ist leicht zugänglich, direkt und insgesamt sehr flüssig. Die Autorin verwendet keine unnötig komplizierte Sprache, sondern erzählt Violas Geschichte auf eine Weise, die einen schnellen Einstieg ermöglicht. Dadurch entwickelt das Buch besonders in den actionreicheren Szenen einen starken Lesefluss. Die kurzen Wechsel zwischen Begegnungen, Prüfungen und neuen Entdeckungen sorgen dafür, dass die Handlung kaum zum Stillstand kommt. Gleichzeitig liegt darin eine der Besonderheiten des Romans: Zatalon erzählt seine Geschichte mit einem ausgesprochen hohen Tempo. Neue Figuren, Orte und fantastische Elemente werden teilweise in rascher Folge eingeführt. Das erzeugt Spannung und vermittelt das Gefühl, gemeinsam mit Viola von einer Überraschung in die nächste gezogen zu werden. An manchen Stellen hätte ich mir jedoch etwas mehr Ruhe gewünscht. Gerade die magische Welt bietet viele interessante Ansätze, die durch ausführlichere Beschreibungen oder längere Übergänge noch eindrucksvoller hätten wirken können.
Atmosphärisch bewegt sich die Geschichte zwischen düsterer Bedrohung und farbenfroher Fantasie. Die Haxe-Hook-Spiele verleihen dem Roman eine gefährliche, beinahe unberechenbare Grundstimmung, während Zatalon selbst einen märchenhaften und stellenweise skurrilen Eindruck hinterlässt. Besonders schön fand ich, dass die Geschichte trotz ihrer ernsten Ausgangssituation nicht dauerhaft schwer wirkt. Scooby lockert viele Szenen auf und bringt eine Wärme in das Geschehen, die einen angenehmen Gegenpol zu Violas Angst und Unsicherheit bildet. Auch die Begegnungen mit Baston verändern die Atmosphäre. In seiner Nähe entsteht eine Mischung aus Neugier, Misstrauen und langsam wachsender emotionaler Nähe. Die romantischen Aspekte drängen sich dabei nicht sofort in den Vordergrund, sondern entwickeln sich im Zusammenhang mit Violas wachsendem Vertrauen und ihrer persönlichen Veränderung.
Die Sprache ist vor allem auf Handlung und Gefühle ausgerichtet. Violas Unsicherheit, ihre Hoffnung und ihr wachsender Mut sind gut nachvollziehbar. Man erlebt, wie sie versucht, in einer völlig fremden Welt Orientierung zu finden, und dabei immer wieder über ihre eigenen Grenzen hinausgehen muss. Die magischen Elemente werden nicht ausschließlich als spektakuläre Fähigkeiten verwendet, sondern besitzen auch eine symbolische Bedeutung. Die Verwandlung steht sinnbildlich für Violas innere Entwicklung. Sie lernt, dass Veränderung nicht zwangsläufig bedeutet, sich selbst zu verlieren. Stattdessen kann sie eine Möglichkeit sein, verborgene Seiten der eigenen Persönlichkeit anzunehmen. Dadurch erhält die fantastische Handlung eine emotionale Ebene, die über das reine Abenteuer hinausgeht.
Eine der größten Stärken des Buches ist für mich seine fantasievolle Grundidee. Carmanda Bücherhexe kombiniert bekannte Elemente wie Gestaltwandler, magische Kräfte und Prüfungen mit ungewöhnlichen Figuren und Schauplätzen. Besonders Viola hebt sich als Protagonistin wohltuend von vielen typischen Fantasyheldinnen ab. Sie ist nicht von Anfang an unerschrocken oder allmächtig. Ihre Stärke entsteht erst aus ihrer Verzweiflung, ihrer Liebe und ihrem Wunsch, Antworten zu finden. Dabei macht sie Fehler, zweifelt an sich und muss lernen, ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Gerade diese Unvollkommenheit hat sie für mich sympathisch und glaubwürdig gemacht. Auch Scooby ist weit mehr als ein niedliches Begleittier. Er bildet das emotionale Zentrum vieler Szenen und erinnert Viola daran, dass Loyalität manchmal in den unscheinbarsten Gefährten zu finden ist.
Ebenfalls gelungen ist die Mischung unterschiedlicher Stimmungen. Das Buch kann spannend und bedrohlich sein, besitzt aber zugleich humorvolle, romantische und herzliche Momente. Dadurch wirkt die Handlung abwechslungsreich und verliert trotz der vielen Gefahren nicht ihre Leichtigkeit. Gleichzeitig hätte ich mir bei manchen Figuren und Konflikten eine ausführlichere Entwicklung gewünscht. Durch das hohe Erzähltempo bleibt nicht jede Begegnung lange genug im Mittelpunkt, um ihre volle emotionale Wirkung zu entfalten. Einige Wendungen geschehen sehr schnell, während bestimmte Hintergründe nur angedeutet werden. Gerade weil Zatalon als Welt so viel Potenzial besitzt, hätten zusätzliche Details zu den Orten, den magischen Regeln und den verschiedenen Wesen die Geschichte noch lebendiger gemacht. Auch die Beziehung zwischen Viola und Baston hätte stellenweise mehr Raum vertragen, damit einzelne emotionale Veränderungen noch natürlicher wirken. Diese Punkte haben meinen Lesefluss nicht grundsätzlich gestört, sie haben mich aber gelegentlich das Gefühl bekommen lassen, dass zwischen den Zeilen noch viel mehr verborgen liegt.
Kleinere Schwächen sehe ich vor allem im hohen Erzähltempo. Manche Entwicklungen, Beziehungen und Bestandteile der Welt hätten für meinen Geschmack ausführlicher dargestellt werden dürfen. Gelegentlich hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte bereits zur nächsten Station aufbricht, obwohl ich an einem Ort oder bei einer Figur gerne noch etwas länger geblieben wäre. Trotzdem überwiegen für mich deutlich die positiven Eindrücke.
Persönlicher Eindruck
Mein persönliches Leseerlebnis war vor allem von Neugier geprägt. Ich wollte wissen, welche Prüfung Viola als Nächstes erwartet, welche Geheimnisse Baston verbirgt und was es mit ihren neu entdeckten Fähigkeiten auf sich hat. Besonders gut gefallen hat mir Violas Entwicklung. Zu Beginn wird sie stark durch die Suche nach ihrem Mann bestimmt. Ihre Entscheidungen kreisen um sein Verschwinden und um die Hoffnung, ihr altes Leben zurückzubekommen. Mit jeder Herausforderung verändert sich jedoch ihr Blick auf sich selbst. Sie beginnt zu verstehen, dass ihr Wert nicht allein von einer Beziehung oder von der Anerkennung eines anderen Menschen abhängt. Diese Entwicklung wird nicht in langen philosophischen Gesprächen erklärt, sondern zeigt sich vor allem in ihren Handlungen. Viola wird mutiger, trifft eigenständigere Entscheidungen und lernt, ihrer Wahrnehmung zu vertrauen.
Scooby war dabei eindeutig einer meiner liebsten Charaktere. Seine Anwesenheit gibt der Geschichte etwas Vertrautes und Herzliches. Inmitten einer fremden Welt voller Gefahren bleibt er Violas Verbindung zu ihrem bisherigen Leben. Gleichzeitig sorgt er dafür, dass selbst angespannte Situationen nicht vollkommen hoffnungslos wirken. Auch Baston fand ich interessant, gerade weil man ihn nicht sofort durchschauen kann. Seine Verbindung zu Viola bringt eine zusätzliche emotionale Spannung in die Geschichte und wirft die Frage auf, ob Nähe in einer fremden Welt Sicherheit bedeutet oder eine weitere Gefahr darstellen kann. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir daher weniger einzelne spektakuläre Prüfungen als jene Momente, in denen Viola erkennt, dass sie stärker und unabhängiger ist, als sie selbst geglaubt hat.
Insgesamt ist Zatalon – Und die Reise der Verwandlung ein fantasievoller und emotionaler Reihenauftakt, der von einer ungewöhnlichen Protagonistin, einer magischen Welt und einer starken Botschaft über Selbstfindung getragen wird. Carmanda Bücherhexe verbindet Abenteuer, Gestaltwandlung, Freundschaft und romantische Spannung zu einer Geschichte, die sich schnell lesen lässt und immer wieder neue Ideen bereithält. Besonders überzeugend fand ich Viola, deren Entwicklung von einer verzweifelten Suchenden zu einer zunehmend selbstbestimmten Frau das Herzstück des Romans bildet. Auch Scooby verleiht der Handlung viel Wärme und dürfte mit seiner loyalen und liebenswerten Art schnell viele Leserherzen erobern.
✨ Bewertung: 4 von 5 Sternen
Wer Geschichten über Magie, Gestaltwandler, gefährliche Prüfungen und starke Frauenfiguren mag und sich zugleich auf eine emotionale Reise einlassen möchte, findet in Zatalon einen kurzweiligen und vielversprechenden Auftakt. Es ist eine fantasievolle Geschichte mit viel Herz und großem Entwicklungspotenzial, die neugierig darauf macht, welche Wege Viola und ihre Begleiter in den weiteren Bänden noch einschlagen werden.
