Mindf*ck-Series-3 – 272 Seiten – 2026 erschienen
Mit Revenge – Du sollst flehen führt S. T. Abby ihre düstere und ungewöhnliche Mindf*ck-Reihe rund um Lana Myers und FBI-Profiler Logan Bennett fort. Der Roman ist der dritte von insgesamt fünf Bänden und setzt unmittelbar nach den Ereignissen von Blood – Du sollst bereuen ein. Genretechnisch bewegt sich das Buch weiterhin zwischen Thriller, Romantic Suspense und Dark Romance. Genau diese Mischung macht die Reihe für mich so faszinierend: Auf der einen Seite stehen brutale Verbrechen, FBI-Ermittlungen und moralisch schwierige Fragen, auf der anderen eine leidenschaftliche Beziehung, deren Fundament ausgerechnet auf einem lebensgefährlichen Geheimnis beruht. Da die Geschichte Gewalt, Missbrauch und Selbstjustiz behandelt, sollte man die entsprechenden Triggerwarnungen ernst nehmen. Wer mit diesen Themen umgehen kann und die ersten beiden Bände mochte, bekommt jedoch eine Fortsetzung, die für mich das ohnehin schon hohe Niveau der Reihe nicht nur hält, sondern teilweise sogar übertrifft.
Lana Myers hat den größten Teil ihres Lebens niemanden wirklich an sich herangelassen. Erst durch Logan Bennett verändert sich etwas in ihr: Der FBI-Agent ist der erste Mensch seit langer Zeit, bei dem sie sich vorstellen kann, mehr als Einsamkeit, Wut und den Wunsch nach Vergeltung zu empfinden. Ausgerechnet Logan darf jedoch nicht erfahren, wer Lana tatsächlich ist. Während er in ihr die Frau sieht, die er liebt und beschützen möchte, kennt er ihre zweite Identität nicht – denn Lana ist zugleich die Serienmörderin, nach der er und sein Team suchen. Ihr Rachefeldzug richtet sich gegen Männer, die ihr in der Vergangenheit unaussprechliches Leid zugefügt haben und für ihre Taten nie angemessen zur Verantwortung gezogen wurden. In Revenge wird dieses gefährliche Doppelleben noch komplizierter. Zusätzlich bedroht ein als „Boogeyman“ bekannter Täter Logans Umfeld und zwingt Lana dazu, auf eine neue Gefahr zu reagieren. Logan glaubt, Lana beschützen zu müssen, ohne zu ahnen, dass sie selbst weitaus gefährlicher ist als fast jeder Mann, dem sie begegnet. Gleichzeitig führen die Ermittlungen immer näher an jene Vergangenheit heran, die Lana um jeden Preis verborgen halten muss. Dadurch entsteht ein zunehmend enges Netz aus Geheimnissen, Misstrauen und unausgesprochenen Wahrheiten, bei dem jederzeit ein einziger Fehler genügen könnte, um alles auffliegen zu lassen. Diese Konstellation bildet die Grundlage für ein intensives Katz-und-Maus-Spiel, ohne dass die Inhaltsbeschreibung bereits zu viel über einzelne Wendungen verraten müsste.
S. T. Abbys Schreibstil ist erneut direkt, temporeich und ausgesprochen leicht zu lesen. Die Sprache verliert sich nicht in ausschweifenden Beschreibungen, sondern konzentriert sich auf Handlung, Dialoge und emotionale Reaktionen. Dadurch besitzt das Buch einen enormen Sog. Die kurzen Kapitel und schnellen Perspektivwechsel sorgen dafür, dass ich ständig das Gefühl hatte, nur noch ein Kapitel lesen zu wollen – und plötzlich war ein großer Teil des Buches vorbei. Obwohl die Geschichte inhaltlich sehr düster ist, wirkt der Stil niemals unnötig schwerfällig. Die Autorin lässt intensive und teilweise schockierende Szenen für sich stehen, ohne den Handlungsfluss durch lange Erklärungen auszubremsen. Gleichzeitig entstehen gerade durch die knappe Erzählweise immer wieder Momente, in denen eine kleine Bemerkung oder eine scheinbar nebensächliche Beobachtung eine bedrohliche Bedeutung erhält.
Die Atmosphäre ist dabei von einem permanenten Gefühl der Gefahr geprägt. Lana muss nicht nur ihre Identität vor Logan und dem FBI verbergen, sondern auch auf unvorhersehbare Bedrohungen reagieren. Dieses Spannungsverhältnis funktioniert für mich besonders gut, weil ich als Leserin mehr weiß als Logan und deshalb ständig auf den Moment warte, in dem er die entscheidenden Zusammenhänge erkennen könnte. Jede Frage, jeder Verdacht und jede berufliche Ermittlung erhält dadurch eine zweite Ebene. Selbst ruhigere Szenen zwischen Lana und Logan bleiben unterschwellig angespannt, weil über ihrer Beziehung ein Geheimnis schwebt, das alles zerstören könnte. Gleichzeitig gelingt es der Autorin, die Dunkelheit immer wieder durch trockenen Humor, schlagfertige Dialoge und überraschend zärtliche Augenblicke aufzulockern. Diese Momente wirken nicht deplatziert, sondern geben den Figuren Menschlichkeit und verhindern, dass die Handlung nur noch aus Gewalt und Bedrohung besteht.
Besonders gelungen finde ich in diesem Band die Balance zwischen Thriller und Dark Romance. Der Thrilleranteil erhält deutlich mehr Raum, ohne dass die Beziehung zwischen Lana und Logan an Bedeutung verliert. Statt zweier voneinander getrennter Handlungsstränge greifen beide Ebenen eng ineinander. Logans Beruf macht ihre Beziehung gefährlich, während seine Gefühle für Lana seine Wahrnehmung beeinflussen. Lanas Rache wiederum bestimmt nicht nur ihr eigenes Handeln, sondern auch, wie viel Nähe sie überhaupt zulassen kann. Die romantischen Szenen dienen deshalb nicht bloß als Pause zwischen den Ermittlungen. Sie erhöhen den emotionalen Einsatz, denn je glaubhafter die Verbindung zwischen den beiden wird, desto größer erscheint die mögliche Katastrophe. Genau dadurch entsteht eine Spannung, die sowohl emotional als auch kriminalistisch funktioniert.
Persönlicher Eindruck
Mein persönliches Lesegefühl lässt sich am besten als vollkommen gebannt beschreiben. Ich war nach wenigen Seiten wieder mitten in der Geschichte und wollte das Buch kaum aus der Hand legen. Besonders reizvoll finde ich weiterhin, dass ich Lana trotz ihres Handelns nicht einfach ablehnen kann. Die Autorin zwingt mich immer wieder dazu, meine eigenen moralischen Grenzen zu hinterfragen: Darf man Genugtuung empfinden, wenn Täter bestraft werden, obwohl die Art dieser Bestrafung eindeutig außerhalb jedes Rechtsstaats liegt? Diese Frage beantwortet das Buch nicht für mich, sondern lässt den Widerspruch bestehen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass Lana und Logan eine echte Chance bekommen, obwohl ihre Beziehung auf einem Geheimnis beruht, das kaum zu verzeihen sein dürfte. Gerade dieses emotionale Dilemma macht die Geschichte für mich so wirkungsvoll.
Die gemeinsamen Momente zwischen Lana und Logan haben mich deshalb besonders berührt. Zwischen all der Gewalt zeigen sie eine andere Seite der beiden und machen deutlich, dass Lana nicht ausschließlich aus Rache besteht. Gleichzeitig kann man die Nähe nie unbeschwert genießen, weil Logans Unwissen ständig präsent bleibt. Bei jedem neuen Hinweis steigt die Nervosität. Ich habe mich mehrfach gefragt, wie lange Lana dieses Doppelleben noch aufrechterhalten kann und was passieren wird, sobald sich die Ermittlungen und ihre Vergangenheit endgültig überschneiden. Der Schluss treibt diese Anspannung schließlich auf die Spitze. Ohne etwas vorwegzunehmen: Der Cliffhanger ist wirklich brutal gut gesetzt. Er kommt nicht wie ein beliebiger Schockeffekt daher, sondern wirkt wie die logische, aber trotzdem erschütternde Konsequenz der vorherigen Entwicklungen. Ich wollte danach sofort weiterlesen und war gleichzeitig begeistert davon, wie wirkungsvoll das Ende inszeniert ist.
Revenge – Du sollst flehen ist für mich somit eine rundum gelungene Fortsetzung und bisher einer der spannendsten Teile der Reihe. S. T. Abby verbindet einen rasanten Thriller mit einer düsteren Liebesgeschichte, ohne dass eines der beiden Genres wie bloßes Beiwerk wirkt. Die Ermittlungen sorgen für Nervenkitzel und ein immer enger werdendes Netz aus Gefahren, während die Beziehung zwischen Lana und Logan dem Geschehen emotionale Tiefe verleiht. Besonders Lana bleibt mit ihrer Mischung aus Verletzlichkeit, Intelligenz und kompromissloser Brutalität eine Protagonistin, die sich kaum mit anderen Figuren vergleichen lässt. Das hohe Tempo, die beklemmende Atmosphäre und die moralischen Grauzonen haben mich durchgehend gefesselt. Kleinere Kritikpunkte wie die für meinen Geschmack etwas zu kurze Ausarbeitung einzelner Entwicklungen fallen angesichts des enormen Unterhaltungswerts kaum ins Gewicht. Und dann ist da natürlich dieser Cliffhanger: spannend, gemein und so perfekt platziert, dass Aufhören eigentlich keine Option ist.
✨ Bewertung: 5 von 5 Sternen
Wer die ersten beiden Bände geliebt hat, wird auch von diesem Teil kaum loskommen. Für mich bietet Revenge genau die richtige Balance aus Thriller, Dark Romance, emotionaler Spannung und kontrolliertem Chaos.
