Mindf*ck-Series-2 – 224 Seiten – 2026 erschienen
Mit Blood – Du sollst bereuen setzt S. T. Abby ihre ebenso düstere wie fesselnde Mindf*ck Series fort. Der Roman ist der zweite von insgesamt fünf Bänden und knüpft unmittelbar an Secret – Du sollst mich fürchten an. Deshalb sollte man die Bücher unbedingt in der vorgesehenen Reihenfolge lesen – nicht nur wegen der fortlaufenden Handlung, sondern auch, weil die Entwicklung der Figuren und ihrer Beziehungen eng miteinander verknüpft ist. Im Mittelpunkt stehen erneut Lana Myers und FBI-Profiler Logan Bennett, deren Verbindung unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen immer intensiver wird: Logan jagt Serienmörder, während Lana genau die Frau ist, nach der er und sein Team suchen. Hinter ihren Taten steckt allerdings keine willkürliche Grausamkeit, sondern ein seit Jahren sorgfältig vorbereiteter Racheplan gegen diejenigen, die ihr und ihrer Familie unvorstellbares Leid zugefügt haben. Allein diese Konstellation erzeugt eine Spannung, die weit über eine gewöhnliche Liebesgeschichte hinausgeht. Das Buch verbindet Thriller, psychologische Spannung und Dark Romance zu einer kompromisslos düsteren Geschichte über Trauma, Vergeltung, Moral und die Frage, ob Gerechtigkeit auch außerhalb des Gesetzes existieren kann.
Die Geschichte setzt genau dort ein, wo der erste Band aufgehört hat. Lana führt nach außen ein erfolgreiches und scheinbar geordnetes Leben. Ihre Beziehung zu Logan wird zunehmend ernster, und zum ersten Mal seit langer Zeit scheint sie etwas gefunden zu haben, das nicht ausschließlich von Schmerz und Rache bestimmt wird. Logan gibt ihr ein Gefühl von Nähe und Sicherheit, das sie eigentlich längst nicht mehr für möglich gehalten hatte. Gleichzeitig arbeitet er weiterhin mit seinem Profiler-Team an jener Mordserie, für die Lana verantwortlich ist. Während sie ihre nächsten Schritte vorbereitet und versucht, ihren Vergeltungsplan nicht aus den Augen zu verlieren, kommt ihr Logan durch seine Ermittlungen gefährlich nahe. Besonders seine Kollegin Hadley beginnt, Lana genauer zu beobachten und Fragen zu stellen, die für sie zu einer ernsthaften Bedrohung werden könnten. Parallel dazu beschäftigt ein weiterer brutaler Fall das FBI-Team. Dadurch wächst die Gefahr nicht nur für die Ermittler, sondern auch für die Menschen in ihrem persönlichen Umfeld. Lana muss zunehmend improvisieren, ohne ihre Tarnung auffliegen zu lassen, und zugleich verhindern, dass Logan etwas zustößt. Je enger die beiden einander emotional kommen, desto schwieriger wird es für sie, ihre zwei vollkommen gegensätzlichen Leben voneinander zu trennen. Jeder Moment der Nähe trägt deshalb das Risiko in sich, dass eine einzige falsche Reaktion alles zerstören könnte.
Der Schreibstil von S. T. Abby ist erneut direkt, temporeich und ausgesprochen leicht zu lesen. Trotz der Schwere der behandelten Themen verliert sich die Autorin nicht in langen Beschreibungen oder komplizierten Erklärungen. Stattdessen lebt der Roman von kurzen Kapiteln, schnellen Perspektivwechseln und einer Handlung, die kaum Gelegenheit zum Durchatmen bietet. Erzählt wird vor allem aus den Perspektiven von Lana und Logan. Dadurch entsteht ein faszinierender Wissensvorsprung: Als Leser weiß man genau, welches Geheimnis Lana vor Logan verbirgt, während man gleichzeitig seine Gedanken, seine Ermittlungsansätze und seine wachsenden Gefühle für sie miterlebt. Gerade diese Konstellation sorgt für eine fast permanente innere Anspannung. Selbst in romantischen oder humorvollen Szenen bleibt im Hintergrund immer die Frage bestehen, wann Logan die entscheidende Verbindung herstellen wird. Man möchte, dass er seiner Aufgabe als Profiler gerecht wird, hofft aber gleichzeitig, dass Lana nicht enttarnt wird. Dieser moralische und emotionale Widerspruch macht einen großen Teil des Reizes der Reihe aus.
Die Atmosphäre ist deutlich düsterer und bedrohlicher als noch im Auftaktband. Während Secret – Du sollst mich fürchten zunächst die Figuren und ihre ungewöhnliche Ausgangssituation etabliert hat, rückt Blood – Du sollst bereuen die Thrillerhandlung stärker in den Vordergrund. Die Ermittlungen erhalten mehr Raum, die Gefahren werden unmittelbarer und Lanas Vergangenheit wirft immer längere Schatten auf ihre Gegenwart. Einige Szenen sind brutal und verstörend, ohne sich jedoch ausschließlich auf grafische Gewalt zu verlassen. Die eigentliche Beklemmung entsteht vielmehr durch das Wissen, dass Lanas sorgfältig errichtete Fassade jederzeit zusammenbrechen könnte. Gleichzeitig besitzt der Roman immer wieder Momente voller Wärme, Begehren und überraschender Verletzlichkeit. Die Beziehung zwischen Lana und Logan bildet einen starken Kontrast zur Gewalt der übrigen Handlung. Sie wirkt nicht wie ein nachträglich ergänzter romantischer Nebenstrang, sondern ist eng mit dem zentralen Konflikt verbunden. Logan steht für ein Leben, das Lana vielleicht führen könnte, wenn ihre Vergangenheit sie nicht immer weiter vorantreiben würde. Umgekehrt kennt er nur die Version von ihr, die sie ihm zeigen kann. Diese Balance zwischen Thriller und Dark Romance ist für mich besonders gut gelungen. Keine der beiden Seiten verdrängt die andere; vielmehr steigern sie sich gegenseitig. Je glaubwürdiger die Gefühle zwischen Lana und Logan werden, desto bedrohlicher erscheinen seine Ermittlungen – und je näher er der Wahrheit kommt, desto schmerzhafter wird die Vorstellung, was diese Wahrheit mit ihrer Beziehung machen könnte.
Persönlicher Eindruck
Mein persönliches Lesegefühl war von der ersten Seite an von Anspannung geprägt. Nachdem mich bereits der Auftakt neugierig gemacht hatte, konnte mich dieser zweite Band noch stärker fesseln. Besonders gefallen hat mir, dass Lana nicht plötzlich weicher oder harmloser dargestellt wird, nur weil sie Gefühle für Logan entwickelt. Ihre Liebe verändert sie, löscht aber weder ihr Trauma noch ihr Bedürfnis nach Vergeltung aus. Dadurch bleibt sie als Figur konsequent und glaubwürdig innerhalb dieser extremen Geschichte. Gleichzeitig haben mich die Szenen zwischen Lana und Logan emotional stärker berührt als erwartet. Ihre Verbindung besteht nicht nur aus körperlicher Anziehung, sondern zunehmend aus Vertrauen, Schutzinstinkt und einer Nähe, die für beide ungewohnt ist. Gerade weil dieses Vertrauen auf einem gewaltigen Geheimnis beruht, bekommt jede zärtliche Szene eine tragische Note.
Besonders mitreißend fand ich außerdem die Momente, in denen Lanas zwei Welten beinahe aufeinanderprallen. Sobald Logan oder Hadley eine Beobachtung machen, die sie der Wahrheit näherbringen könnte, steigt die Spannung sofort. Ich habe ständig überlegt, wie lange Lana ihr Doppelleben noch aufrechterhalten kann und welche Konsequenzen eine Entdeckung hätte. Dabei ertappte ich mich immer wieder dabei, ausgerechnet mit der gesuchten Serienmörderin mitzufiebern. S. T. Abby bringt einen dazu, die eigenen moralischen Maßstäbe zu hinterfragen, ohne dafür eine einfache Antwort vorzugeben. Der Roman ist düster, brutal und teilweise beklemmend, besitzt durch die Beziehung der Hauptfiguren aber zugleich eine überraschend emotionale Seite. Genau diese Mischung hat dafür gesorgt, dass ich das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe.
Blood – Du sollst bereuen ist für mich eine rundum gelungene Fortsetzung, die den ersten Band in Bezug auf Spannung und emotionale Intensität sogar noch übertrifft. Der stärkere Thrilleranteil, die zunehmende Gefahr für Lana und die sich vertiefende Beziehung zwischen ihr und Logan greifen hervorragend ineinander. Besonders überzeugend ist die Balance zwischen den Genres: Die Dark Romance nimmt den bedrohlichen Ereignissen nicht ihre Härte, während die Thrillerhandlung den Gefühlen der Figuren zusätzliches Gewicht verleiht. Wer realistische FBI-Arbeit oder moralisch eindeutig einzuordnende Charaktere sucht, wird mit dieser Reihe wahrscheinlich weniger anfangen können. Wer sich hingegen auf eine rasante, provokante und psychologisch düstere Rachegeschichte einlassen möchte, bekommt hier ein Buch mit enormem Suchtpotenzial.
Das Ende hebt die Spannung schließlich noch einmal auf ein vollkommen neues Niveau. Ohne etwas vorwegzunehmen: Der Cliffhanger ist hervorragend platziert, überraschend und geradezu grausam. Er beendet den Band genau in dem Moment, in dem man unbedingt wissen muss, wie es weitergeht, und hat mich völlig atemlos zurückgelassen. Für mich ist das einer der stärksten Cliffhanger, die ich seit Langem gelesen habe. Nach der letzten Seite war an eine wirkliche Lesepause nicht zu denken.
✨ Bewertung: 5 von 5 Sternen
Blood – Du sollst bereuen bietet moralisch komplexe Figuren, eine packende Rachehandlung, intensive Gefühle und ein durchgehend hohes Erzähltempo. Trotz kleiner Abstriche bei Realismus und Ausarbeitung hat mich die Geschichte vollkommen gepackt.
