Mindf*ck-Series-1 – 240 Seiten – 2026 erschienen
Mit Secret – Du sollst mich fürchten eröffnet S. T. Abby ihre fünfteilige Mindf*ck Series, die Dark Romance, Rachethriller und psychologische Spannung miteinander verbindet. Im Mittelpunkt steht dabei keine klassische Heldin, sondern eine Frau, die zugleich Opfer, Rächerin und Serienmörderin ist. Genau diese ungewöhnliche Perspektive hat mich schon vor dem Lesen fasziniert und letztlich sogar noch stärker begeistert, als ich erwartet hatte. Der erste Band erschien ursprünglich unter dem Titel „The Risk“ und bildet den Auftakt einer fortlaufenden Geschichte, weshalb die einzelnen Teile unbedingt in der vorgesehenen Reihenfolge gelesen werden sollten. Die deutsche Übersetzung stammt von Bettina Hengesbach, veröffentlicht wurde das Buch im Goldmann Verlag. Mit seinen rund 240 Seiten ist Secret vergleichsweise kurz, entfaltet innerhalb dieses überschaubaren Umfangs jedoch eine erstaunliche Intensität. Die Geschichte fühlt sich nicht wie eine ausführliche Einführung an, sondern zieht einen praktisch sofort in Lanas gefährliches Doppelleben hinein. Wer einen konventionellen Liebesroman erwartet, dürfte von der Brutalität und den moralischen Abgründen überrascht werden. Ebenso wenig handelt es sich um einen rein klassischen Thriller, denn die Beziehung zwischen Lana und Logan nimmt von Anfang an einen wichtigen Platz ein. Gerade diese Verbindung verschiedener Genres macht den besonderen Reiz des Buches aus. Für mich war Secret – Du sollst mich fürchten nicht nur ein überaus gelungener Reihenauftakt, sondern eines jener seltenen Bücher, bei denen ich bereits nach wenigen Kapiteln wusste, dass sie mir noch lange im Gedächtnis bleiben würden. Es ist düster, kompromisslos und teilweise verstörend, gleichzeitig aber emotionaler, vielschichtiger und fesselnder, als der erste Blick vermuten lässt.
Lana Myers führt nach außen ein ruhiges, unauffälliges Leben in Virginia. Sie ist jung, erfolgreich und wirkt zunächst wie eine Frau, die ihre Vergangenheit hinter sich gelassen hat. Doch diese Fassade verbirgt ein tödliches Geheimnis: Lana verfolgt seit Jahren einen sorgfältig geplanten Rachefeldzug. Ihre Opfer wählt sie keineswegs zufällig aus. Sie alle stehen mit schrecklichen Ereignissen in Verbindung, die ihr Leben vor zehn Jahren unwiderruflich verändert haben. Während Lana Schritt für Schritt ihre Liste abarbeitet, begegnet sie Logan Bennett. Logan ist ausgerechnet FBI-Agent und als Profiler auf die Jagd nach Serienmördern spezialisiert. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Beziehung, die von Beginn an unter denkbar schlechten Voraussetzungen steht. Logan fühlt sich immer stärker zu der geheimnisvollen Frau hingezogen, ohne zu ahnen, dass sie genau zu jener Art Mensch gehört, die er beruflich aufzuspüren versucht. Lana wiederum muss entscheiden, wie viel Nähe sie zulassen kann, ohne ihre Identität, ihre Mission und möglicherweise auch ihr Leben zu gefährden. Daraus entsteht ein faszinierendes Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Logan seiner Freundin emotional immer näherkommt, während er zugleich unwissentlich Spuren verfolgt, die zu ihr führen könnten. Mehr sollte man über die Handlung kaum wissen, denn ein wesentlicher Teil des Lesevergnügens besteht darin, Lanas Pläne, Logans Ermittlungen und die wachsende Spannung zwischen beiden unmittelbar mitzuerleben.
S. T. Abbys Schreibstil ist direkt, modern und ungemein temporeich. Lange Beschreibungen oder ausufernde Nebenhandlungen sucht man hier vergeblich. Stattdessen konzentriert sich die Autorin konsequent auf die Figuren, die Ermittlungen und die immer bedrohlicher werdenden Überschneidungen zwischen Lanas beiden Welten. Die kurzen Kapitel und schnellen Szenenwechsel erzeugen einen starken Sog, dem ich mich kaum entziehen konnte. Ich wollte ständig nur noch ein weiteres Kapitel lesen und war schließlich viel schneller am Ende angelangt, als mir lieb war. Trotz des hohen Tempos wirkte die Geschichte auf mich nicht oberflächlich. Viele Informationen über Lanas Vergangenheit werden zunächst lediglich angedeutet, sodass sich nach und nach ein erschütterndes Bild zusammensetzt. Diese dosierten Enthüllungen sind äußerst wirkungsvoll, weil sie genügend Antworten geben, um Lanas Handeln nachvollziehbarer zu machen, gleichzeitig aber viele Fragen für die folgenden Bände offenlassen.
Besonders gelungen fand ich den Wechsel zwischen Lanas und Logans Perspektive. Dadurch kennt man beide Seiten des gefährlichen Spiels und weiß deutlich mehr als die Figuren selbst. Das erzeugt eine beinahe permanente Anspannung: Während Logan Hinweise analysiert und versucht, die Täterpersönlichkeit hinter einer Reihe grausamer Verbrechen zu verstehen, erlebt man Lana als jene Frau, die ihm privat immer wichtiger wird. Die daraus entstehende Ironie ist ebenso faszinierend wie nervenaufreibend. Mehrfach bewegt sich die Handlung gefährlich nah an einer möglichen Enttarnung, ohne dass diese Situationen konstruiert oder beliebig wirken. Gleichzeitig erlaubt der Perspektivwechsel, Lana nicht ausschließlich über ihre Gewalttaten zu definieren. Man erlebt ihre Kontrolle, ihre Verletzlichkeit, ihren schwarzen Humor und ihre Sehnsucht nach einem Leben, das ihr durch die Vergangenheit genommen wurde. Auch Logan bleibt nicht bloß der ahnungslose FBI-Agent. Seine Gedanken zeigen, wie aufmerksam und analytisch er ist, was die Bedrohung für Lana umso glaubwürdiger macht.
Die Atmosphäre ist durchgehend düster und von unterschwelliger Gefahr geprägt, besitzt aber überraschend viele emotionale und stellenweise sogar humorvolle Momente. Gerade die Kontraste haben für mich hervorragend funktioniert. Auf brutale, beklemmende Szenen folgen Augenblicke von Nähe, Schlagfertigkeit oder vorsichtiger Zärtlichkeit, ohne dass die Geschichte dadurch ihre bedrohliche Grundstimmung verliert. Vielmehr verstärken die romantischen Passagen das Risiko, denn mit jedem Gefühl wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Lana etwas zu verlieren hat. Die explizite Gewalt wird nicht beschönigt, und einige Inhalte können sehr belastend sein. Deshalb würde ich unbedingt empfehlen, vor dem Lesen die Triggerwarnungen zu beachten. Das Buch behandelt unter anderem schwere Gewalt, Trauma und Selbstjustiz. Dennoch hatte ich nie den Eindruck, dass die Dunkelheit lediglich als Schockeffekt eingesetzt wird. Sie ist eng mit Lanas Vergangenheit und der zentralen Frage verbunden, was Gerechtigkeit bedeutet, wenn ein System den Opfern keine Gerechtigkeit gewährt.
Die größte Stärke des Buches ist für mich eindeutig Lana selbst. Sie ist eine moralisch höchst ambivalente Protagonistin, deren Taten objektiv nicht zu rechtfertigen sind und deren Motive ich emotional dennoch verstehen konnte. S. T. Abby zwingt einen immer wieder dazu, die eigenen Grenzen neu auszuloten. Lana passt weder in die Rolle des hilflosen Opfers noch in die einer gefühllosen Täterin. Sie ist berechnend, intelligent und tödlich, trägt zugleich aber Wunden in sich, die hinter ihrer kontrollierten Fassade ständig spürbar bleiben. Diese Mischung hat sie für mich zu einer außergewöhnlich interessanten Hauptfigur gemacht. Ebenso stark ist die Beziehung zu Logan. Dass ausgerechnet ein Profiler Gefühle für eine Serienmörderin entwickelt, könnte schnell unglaubwürdig oder unfreiwillig komisch wirken. Hier wird diese Konstellation jedoch mit so viel Spannung, Chemie und emotionaler Konsequenz umgesetzt, dass ich mich vollkommen darauf einlassen konnte.
Auch die klare Umkehr vertrauter Rollenbilder hat mir ausgesprochen gut gefallen. Lana ist nicht die Frau, die vom gefährlichen Mann gerettet werden muss. Sie selbst ist die Gefahr. Sie ist häufig diejenige, die Situationen kontrolliert, Pläne schmiedet und ihren Gegnern mehrere Schritte voraus ist. Trotzdem wird ihre Stärke nicht mit Unverletzlichkeit gleichgesetzt. Ihre Vergangenheit beeinflusst ihre Entscheidungen, ihre Beziehungen und ihr Selbstbild. Gerade dadurch wirkt sie nicht wie eine unbesiegbare Fantasiefigur, sondern wie ein Mensch, der sich aus seinem Trauma eine neue Identität geschaffen hat. Als kleine Schwäche lässt sich höchstens anführen, dass das hohe Erzähltempo manchen Entwicklungen wenig Raum gibt. Die Beziehung zwischen Lana und Logan schreitet relativ schnell voran, und einige Ermittlungsaspekte werden eher knapp behandelt. Wer einen bis ins letzte Detail ausgearbeiteten Polizeithriller oder einen langsamen Beziehungsaufbau sucht, könnte dies als zu komprimiert empfinden. Zudem endet der Band deutlich als Teil einer größeren Geschichte und beantwortet bewusst nicht alle Fragen. Für mich waren diese Punkte jedoch kaum störend. Das rasante Tempo passt zum fiebrigen Charakter des Romans, und die offenen Handlungsstränge haben meine Vorfreude auf die Fortsetzungen nur verstärkt.
Persönlicher Eindruck
Mein persönliches Lesegefühl lässt sich am besten als vollkommen gefesselt beschreiben. Secret – Du sollst mich fürchten war eines dieser Bücher, bei denen meine Aufmerksamkeit nicht ein einziges Mal abgeschweift ist. Ich war gleichzeitig fasziniert, angespannt, erschüttert und emotional involviert. Besonders Lana hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einer Protagonistin entwickelt, die ich trotz – oder vielleicht gerade wegen – ihrer Widersprüche nicht vergessen werde. Ich habe ihre Entschlossenheit bewundert, mit ihr gelitten und mich immer wieder dabei ertappt, ihren Rachefeldzug emotional zu unterstützen, obwohl mir bewusst war, wie problematisch diese Reaktion ist. Genau darin liegt für mich die besondere Kraft der Geschichte: Sie liefert keine einfache moralische Antwort, sondern macht das Spannungsverhältnis zwischen Recht, Gerechtigkeit und Vergeltung unmittelbar fühlbar.
Auch Logan konnte mich überzeugen. Seine aufrichtige Zuneigung zu Lana gibt der Geschichte eine Wärme, die in diesem brutalen Umfeld fast zerbrechlich wirkt. Gleichzeitig schwebt über jeder gemeinsamen Szene die Frage, was geschehen wird, wenn er die Wahrheit erkennt. Dieses Wissen hat selbst ruhige oder romantische Momente mit Spannung aufgeladen. Die Kombination aus emotionaler Nähe und drohender Entdeckung war für mich unwiderstehlich. Hinzu kommt Lanas trockener, teilweise makabrer Humor, der genau im richtigen Moment für kurze Atempausen sorgt. Ich mochte besonders, dass sie niemals auf ihre Beziehung zu Logan reduziert wird. Ihre Mission, ihre Vergangenheit und ihre eigene Persönlichkeit bleiben das Zentrum der Handlung. Nach dem Ende wollte ich deshalb nicht nur wissen, wie sich die Liebesgeschichte weiterentwickelt, sondern vor allem, welchen Weg Lana als Nächstes einschlagen wird.
Secret – Du sollst mich fürchten ist für mich ein herausragender Auftakt, der seine ungewöhnliche Grundidee konsequent und mit enormem Unterhaltungswert umsetzt. Das Buch verbindet die Spannung eines Rachethrillers mit einer riskanten Liebesgeschichte und einer Protagonistin, die sämtliche Erwartungen an eine klassische romantische Heldin sprengt. S. T. Abby erzählt schnell, intensiv und kompromisslos, verliert dabei aber nie die emotionalen Verletzungen aus dem Blick, die hinter Lanas Handeln stehen. Die Geschichte ist sicherlich nicht für alle Leserinnen und Leser geeignet: Die Gewaltdarstellungen, traumatischen Themen und moralischen Grauzonen verlangen eine gewisse Belastbarkeit. Wer jedoch düstere Thriller, komplexe Antiheldinnen, weibliche Rachegeschichten und gefährliche Romance-Konstellationen mag, bekommt hier ein außergewöhnlich fesselndes Leseerlebnis.
Für mich hat das Buch genau die richtige Mischung aus Nervenkitzel, Gefühl, Dunkelheit und moralischer Ambivalenz getroffen. Die wenigen Aspekte, die etwas ausführlicher hätten sein können, verblassen angesichts des gewaltigen Sogs, den die Geschichte entwickelt. Seit Langem hat mich kein Reihenauftakt mehr so schnell und vollständig eingenommen.
✨ Bewertung: 5 von 5 Sternen
Secret – Du sollst mich fürchten war nicht einfach nur spannend, sondern eines jener Bücher, die mich nach dem Zuklappen gedanklich weiterverfolgt haben. Lana Myers hat sich einen festen Platz unter meinen liebsten moralisch grauen Figuren gesichert, und ich kann es kaum erwarten, ihre Geschichte weiterzulesen. Damit ist dieser Reihenauftakt für mich ganz klar ein Jahreshighlight und erhält ohne Zögern 5 von 5 Sternen.
