Redveil-1 – 400 Seiten – 2025 erschienen
In the Shadows We Wait von Alessia Gold ist der fesselnde Auftakt der Dark-Romantasy-Dilogie Redveil und vereint Elemente aus Dark Fantasy, Gothic-Ästhetik und intensiver Romantik und bedient klassische Tropes wie Slow Burn, True Love Triangle, Forbidden Love, Reinkarnation und düstere Geheimnisse. In dieser Geschichte stehen nicht nur romantische Gefühle im Vordergrund, sondern auch mystische Legenden, familiäre Verstrickungen und uralte Flüche, die im Laufe der Handlung immer dichter verwoben werden. Besonders auffällig ist dabei, wie Alessia Gold bekannte Romantasy-Elemente mit einer dunkleren, geheimnisvollen Atmosphäre kombiniert, was dem Werk eine markante Stimmung verleiht und genreaffine Leser*innen direkt anspricht.
Die Geschichte folgt Xara, die an ihrem 21. Geburtstag erfährt, dass sie adoptiert wurde, und von Albträumen geplagt wird, die sie in die Vergangenheit zu führen scheinen. Getrieben von dem Wunsch, ihre Herkunft zu verstehen und sich den unheimlichen Visionen zu stellen, reist sie aus den USA in ein entlegenes rumänisches Dorf, in dem sie geboren wurde. Dort trifft sie auf Dorian, einen mächtigen Vampirfürsten, und Juraj, seinen loyalen Diener, die beide in Xara die Reinkarnation einer lange verlorenen Geliebten sehen. Diese Begegnung stellt nicht nur Xaras Verständnis von sich selbst und ihrer Vergangenheit infrage, sondern entfacht auch eine komplexe Spannung zwischen den Figuren, in der Liebe, Verlangen und alte Legenden eng miteinander verwoben sind. Ohne wesentliche Handlungselemente oder Wendungen vorwegzunehmen, zeichnet der Roman das Bild einer Protagonistin, die sich zwischen mystischen Kräften, tiefer Sehnsucht und emotionalem Chaos wiederfindet, und setzt dabei auf emotionale Intensität und eine düstere Grundstimmung, die den Leser durchgehend an die Seiten fesselt.
Sprachlich bewegt sich In the Shadows We Wait in einem fluide lesbaren, bildhaften Stil, der die düstere Atmosphäre des rumänischen Hinterlands und die geheimnisvollen Schleier der Vergangenheit überzeugend transportiert. Alessia Gold arbeitet mit einer starken Visualität: Nebelschwaden über stillen Dörfern, das imposante Schloss als Ort uralter Geheimnisse und die lebhaften Albträume der Protagonistin sind mehr als bloße Kulisse, sie tragen aktiv zur Grundstimmung bei. Diese Bildhaftigkeit wird durch einen relativ schnellen Erzählfluss und eine klare Ich-Perspektive verstärkt, bei der die Gedanken und Gefühle von Xara direkt erfahrbar werden und Nähe zu ihrer inneren Zerrissenheit schaffen. Die Autorin nutzt darüber hinaus wechselnde Perspektiven, um auch Einblicke in das Innenleben von Dorian und Juraj zu geben, was nicht nur die Intensität des Liebesdreiecks steigert, sondern auch die narrative Tiefe erweitert und Spannungsbögen organisch entstehen lässt. In der Kombination aus bildlicher Sprache, emotionaler Dichte und temporeicher Entwicklung ergibt sich eine Atmosphäre, die sowohl düster als auch sinnlich ist, ohne ins Banale abzugleiten.
Gleichzeitig ist der Aufbau nicht frei von typischen Genreelementen: Manche Wendungen lassen sich für geübte Romantasy-Leser*innen frühzeitig erahnen, und bestimmte Klischees des Dark-Romantasy-Genres tauchen wiederholt auf, was zur Folge hat, dass die narrative Originalität nicht in allen Momenten konsequent hoch bleibt. Trotzdem gelingt es der Autorin, diese Elemente so zu verweben, dass sie dem Leser nicht einfach nur vertraut vorkommen, sondern als bewusste Spielarten innerhalb der Geschichte funktionieren. Die Balance zwischen Spannung, Emotionalität und düsterer Mystik gehört klar zu den Stärken des Romans, während gelegentliche Vorhersehbarkeit in der Handlung und die Nähe zu bekannten Tropes eher eine Schwäche darstellen – insbesondere für Leser*innen, die profundere narrative Innovation erwarten. Auch die Charakterentwicklung, vor allem abseits der drei zentralen Figuren, könnte in Teilen noch tiefer ausgebaut sein, da Nebenfiguren mitunter eher funktional bleiben und weniger prägenden Einfluss auf die Gesamtdynamik nehmen. Insgesamt aber überwiegt das Potenzial der Handlung, den Leser zu fesseln und in eine Welt zu entführen, in der Leidenschaft, Gefahr und Geheimnisse eng miteinander verzahnt sind.
Persönlicher Eindruck
Mein persönlicher Eindruck von In the Shadows We Wait ist geprägt von einer starken emotionalen Resonanz und einem wirkungsvollen Setting. Die Verbindung aus düsterer Romantik und mystischer Bedrohung hat mich über weite Strecken hinweg gefesselt, und die vielschichtige Dynamik zwischen Xara, Dorian und Juraj erzeugt ein Leseerlebnis, das gleichermaßen intensiv wie mitreißend ist. Besonders die Art und Weise, wie Gold die inneren Konflikte der Charaktere mit den äußeren Bedrohungen verknüpft, hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, denn sie schafft es, nicht nur oberflächliche Gefühle, sondern auch tiefere Sehnsüchte und Ängste spürbar zu machen. Einige Szenen – etwa jene, in denen Xaras Albträume und die Realität fließend ineinander übergehen – blieben mir wegen ihrer dichten Atmosphäre und emotionalen Kraft besonders im Gedächtnis. Auch der langsame Aufbau der Beziehungen, der im Slow-Burn-Tempo gehalten wird, hat mir gefallen, weil er den Figuren Raum zur Entfaltung gibt und die emotionale Bindung zum Leser stärkt. Zugleich muss man sich auf diesen Erzählrhythmus einlassen, da er nicht dieselbe Unmittelbarkeit besitzt wie temporeichere Romantasy-Romane.
Abschließend lässt sich sagen, dass In the Shadows We Wait ein solider und atmosphärisch dichter Einstieg in die Redveil-Dilogie ist, der sowohl Fans klassischer Dark-Romantasy als auch Leser*innen, die starke emotionale Verbindungen und mystische Legenden schätzen, etwas zu bieten hat. Die Mischung aus düsterer Stimmung, intensiver Romantik und einer glaubwürdig gezeichneten Protagonistin schafft ein Leseerlebnis, das trotz genretypischer Tropes überzeugt und Lust auf die Fortsetzung macht.
✨ Bewertung: 4 von 5 Sternen
Eine fesselnde, stimmungsvolle Geschichte mit einer klaren Empfehlung für Liebhaber*innen romantischer Fantasy, die Wert auf Atmosphäre und emotionales Tiefenleben legen.
