Dream-Harbor-2 – 336 Seiten – 2025 erschienen
Mit Love Me in Autumn – Eine cinnamon spiced Romance kehrt Laurie Gilmore nach Dream Harbor zurück, jenen kleinen, beinahe märchenhaft wirkenden Ort, in dem jeder jeden kennt, Klatsch schneller die Runde macht als frischer Kaffee und hinter jeder Ladentür eine neue Liebesgeschichte warten könnte. Im Mittelpunkt stehen diesmal die Buchhändlerin Hazel und der Fischer Noah, die bereits aus dem ersten Band bekannt sind. Gilmore greift dabei klassische Motive des Genres auf: eine zurückhaltende Buchliebhaberin trifft auf einen charmanten Abenteurer, er verliebt sich zuerst, eine gemeinsame Aufgabe bringt beide einander näher und die eingeschworene Kleinstadtgemeinschaft mischt sich mehr oder weniger hilfreich in das Geschehen ein. Damit interpretiert Love Me in Autumn zwar keinen literarischen Klassiker, wohl aber die inzwischen fast schon klassische Wohlfühlromanze neu. Das Ergebnis ist eine süße, stellenweise überraschend prickelnde Geschichte, die genau weiß, welche Erwartungen ihr hübsches Cover und ihr verheißungsvoller Untertitel wecken.
Hazel arbeitet in der gemütlichen Buchhandlung von Dream Harbor und führt ein Leben, das auf den ersten Blick perfekt zu ihr passt. Zwischen gut gefüllten Regalen, vertrauten Gesichtern und dem Duft nach frisch gebackenen Zimtschnecken fühlt sie sich sicher. Doch je näher ihr dreißigster Geburtstag rückt, desto stärker wird das Gefühl, dass sie möglicherweise etwas verpasst hat. Ihr Leben ist angenehm und geordnet, aber eben auch vorhersehbar. Während andere Menschen scheinbar mühelos Abenteuer erleben, Beziehungen eingehen oder mutige Entscheidungen treffen, ist Hazel vor allem darin geübt, innerhalb ihrer vertrauten Grenzen zu bleiben.
Als sie in einem Buch eine rätselhafte Nachricht entdeckt und nach und nach weitere Hinweise auftauchen, ist ihre Neugier geweckt. Die geheimnisvolle Spur scheint sie zu kleinen Abenteuern innerhalb und außerhalb ihrer Komfortzone auffordern zu wollen. Für die Suche braucht Hazel jedoch Unterstützung und wendet sich ausgerechnet an Noah. Der attraktive Fischer ist spontan, charmant und für beinahe jeden Unsinn zu haben. Außerdem ist er schon seit Monaten in Hazel verliebt, ohne dass sie etwas davon ahnt. Gemeinsam folgen sie den Hinweisen durch Dream Harbor. Was zunächst wie eine harmlose Schnitzeljagd beginnt, führt nicht nur zu ungewöhnlichen Erlebnissen, sondern bringt auch zwei Menschen einander näher, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten.
Laurie Gilmores Schreibstil ist leicht, unkompliziert und sehr zugänglich. Die Seiten lassen sich schnell lesen, weil die Sprache weder unnötig ausschweifend noch besonders komplex ist. Stattdessen konzentriert sich die Autorin auf lebendige Dialoge, romantische Spannung und jene kleinen, alltäglichen Augenblicke, aus denen sich das Gefühl von Vertrautheit zusammensetzt. Gerade die Gespräche zwischen Hazel und Noah tragen viel zur Dynamik der Geschichte bei. Noah begegnet Hazels Unsicherheit mit Humor und Geduld, ohne sie dabei lächerlich zu machen, während Hazel hinter seiner charmanten, unbekümmerten Fassade allmählich einen nachdenklicheren Menschen entdeckt. Dieses Wechselspiel aus Neckereien, vorsichtiger Annäherung und unausgesprochenen Gefühlen funktioniert über weite Strecken sehr gut.
Das Erzähltempo ist angenehm zügig. Durch die rätselhaften Botschaften besitzt die Handlung neben der Liebesgeschichte einen zusätzlichen roten Faden, der immer wieder für Bewegung sorgt. Die Suche ist dabei weniger ein ausgearbeitetes Mysterium als ein romantisches Mittel, um Hazel und Noah aus ihrem gewohnten Alltag herauszuführen. Wer einen komplexen Spannungsroman erwartet, dürfte deshalb enttäuscht werden. Für mich lag der Reiz vielmehr darin, zu beobachten, wie jede neue Aufgabe die Distanz zwischen den beiden ein wenig verkleinert. Die Rätsel geben ihnen einen Grund, Zeit miteinander zu verbringen, gleichzeitig spiegeln sie Hazels Wunsch wider, endlich aus ihrem eigenen Leben auszubrechen.
Besonders gelungen ist erneut die Atmosphäre von Dream Harbor. Der Ort wirkt wie eine Mischung aus idyllischer Küstenstadt und bewusst inszenierter Wohlfühlkulisse. Die Buchhandlung mit ihren Regalen und Zimtschnecken, Noahs Nähe zum Meer, die vertrauten Bewohner und die kleinen Geschäfte erzeugen eine Wärme, die das Buch zu einer idealen Lektüre für gemütliche Lesestunden macht. Allerdings sollte man sich vom deutschen Titel nicht täuschen lassen: Die Handlung ist deutlich weniger herbstlich, als Love Me in Autumn und die Gestaltung vermuten lassen. Ein großer Teil der Geschichte spielt eher im Spätsommer, weshalb Kürbisse, raschelndes Laub und echtes Herbstgefühl nicht so präsent sind wie im Vorgänger. Wer vor allem wegen der saisonalen Stimmung zu diesem Buch greift, könnte daher etwas vermissen.
Auch die sinnlicheren Szenen nehmen mehr Raum ein, als das niedliche Cover zunächst vermuten lässt. Das Buch ist nicht nur cozy, sondern durchaus spicy. Grundsätzlich passt diese körperliche Anziehung zur Chemie zwischen Hazel und Noah, stellenweise wirkte der Übergang von der sanften Schnitzeljagd zur sehr direkten Leidenschaft auf mich jedoch etwas abrupt. Gilmore verbindet damit zwei Tonlagen, die nicht immer vollkommen harmonisch ineinandergreifen: auf der einen Seite das fast märchenhafte Kleinstadtidyll, auf der anderen eine deutlich explizitere Liebesgeschichte. Wer genau diese Mischung mag, wird sich wahrscheinlich sehr wohlfühlen.
Die größte Stärke des Romans ist für mich Noah. Hinter seiner lockeren, flirtenden Art steckt wesentlich mehr emotionale Tiefe, als zunächst zu erwarten ist. Besonders sympathisch fand ich, dass er Hazel nicht verändern oder zu einem vermeintlich aufregenderen Menschen machen möchte. Er begleitet sie, gibt ihr Sicherheit und ermutigt sie, ihre eigenen Grenzen zu überprüfen, ohne ihre ruhige Persönlichkeit als Fehler darzustellen. Auch das Motiv „He falls first“ wird überzeugend umgesetzt: Noahs Gefühle wirken nicht wie eine spontane Reaktion auf die gemeinsame Nähe, sondern wie etwas, das bereits länger in ihm gewachsen ist.
Hazels Entwicklung besitzt ebenfalls einen nachvollziehbaren Kern. Die Angst, einen runden Geburtstag zu erreichen und rückblickend festzustellen, dass man zu vorsichtig gelebt hat, dürfte vielen Leserinnen und Lesern bekannt vorkommen. An einigen Stellen wird ihre Unsicherheit allerdings zu häufig wiederholt. Sowohl Hazel als auch Noah verlieren sich mehrfach in ähnlichen Gedanken darüber, was der jeweils andere empfinden könnte. Dadurch entstehen Missverständnisse, die mit einem offenen Gespräch deutlich schneller zu lösen gewesen wären. Manche inneren Monologe drehen sich im Kreis und bremsen die ansonsten flüssige Handlung aus.
Auch die Nebenfiguren und das Gemeinschaftsgefühl von Dream Harbor bleiben klare Pluspunkte. Gleichzeitig setzt der Roman stark darauf, dass man diese bewusst idealisierte Kleinstadtwelt akzeptiert. Vieles ist sehr bequem arrangiert, Konflikte bleiben überschaubar und selbst das Geheimnis um die Hinweise wird eher charmant als wirklich überraschend aufgelöst. Mir fehlte stellenweise eine stärkere emotionale Zuspitzung. Die Geschichte ist unterhaltsam, aber selten unvorhersehbar. Zudem vermittelt die Vermarktung eine ausgeprägtere Herbststimmung, als der tatsächliche Inhalt bietet. Gerade weil die Reihe so stark mit saisonaler Gemütlichkeit wirbt, fällt diese Diskrepanz deutlich auf.
Persönlicher Eindruck
Für mich war Love Me in Autumn eine angenehm leichte Geschichte, bei der ich schnell wieder das Gefühl hatte, an einen vertrauten Ort zurückzukehren. Dream Harbor besitzt diesen besonderen Charme einer fiktiven Kleinstadt, in der man sich beim Lesen beinahe selbst einen Nachmittag lang aufhalten möchte. Vor allem die Buchhandlung hat mir als Schauplatz gefallen. Bücher, versteckte Nachrichten und Zimtschnecken sind eine Kombination, die beinahe automatisch Gemütlichkeit erzeugt.
Hazel konnte ich in ihrem Wunsch nach mehr Leben außerhalb ihrer gewohnten Routinen gut verstehen. Gleichzeitig hätte ich mir gewünscht, dass ihre ruhige, strukturierte Art noch stärker als positive Eigenschaft stehen bleiben darf. Persönliches Wachstum muss schließlich nicht bedeuten, dass ein introvertierter Mensch plötzlich jede spontane Herausforderung lieben muss. Gerade deshalb mochte ich Noahs Umgang mit ihr. Er drängt sich zwar mit seiner charmanten Art in Hazels Leben, nimmt sie dabei aber ernst und sieht in ihr von Anfang an mehr, als sie selbst zu erkennen vermag.
Die schönsten Momente waren für mich nicht unbedingt die besonders leidenschaftlichen Szenen, sondern die kleinen Augenblicke während ihrer gemeinsamen Suche: Gespräche, beiläufige Berührungen und Situationen, in denen Hazel langsam erkennt, wie aufmerksam Noah sie tatsächlich wahrnimmt. Die Geschichte hat mich nicht tief erschüttert oder vollkommen überrascht, aber sie hat mich gut unterhalten und mir mehrere gemütliche Lesestunden geschenkt. Etwas enttäuscht war ich lediglich vom fehlenden Herbstgefühl. Bei diesem Titel hatte ich mit einer Atmosphäre aus goldenen Blättern, kühler Luft und warmen Getränken gerechnet. Bekommen habe ich stattdessen eher eine spätsommerliche Kleinstadtromanze mit Zimtschnecken – süß, nur eben anders gewürzt als erwartet.
Love Me in Autumn ist eine charmante, leicht lesbare Small-Town-Romance über den Mut, das eigene Leben nicht nur zu verwalten, sondern es tatsächlich zu erleben. Laurie Gilmore interpretiert dabei bekannte Genremotive nicht revolutionär, aber wirkungsvoll: Die zurückhaltende Buchhändlerin, der abenteuerlustige Fischer, eine rätselhafte Schnitzeljagd und eine Kleinstadt voller liebenswerter Menschen ergeben eine unterhaltsame Mischung. Besonders Noah, die Chemie zwischen den Hauptfiguren und die behagliche Kulisse von Dream Harbor konnten mich überzeugen.
Weniger gelungen fand ich die wiederkehrenden Unsicherheiten, einige vermeidbare Kommunikationsprobleme und die Diskrepanz zwischen der herbstlichen Vermarktung und dem eher spätsommerlichen Inhalt. Auch das Mysterium bleibt bewusst leicht und dient vor allem als Rahmen für die Annäherung zwischen Hazel und Noah. Wer eine anspruchsvolle oder unvorhersehbare Handlung sucht, wird hier vermutlich nicht vollständig glücklich. Wer dagegen Lust auf eine romantische Auszeit mit Kleinstadtcharme, Humor, Zimtschnecken und einer guten Portion Spice hat, dürfte genau das bekommen, was Laurie Gilmore verspricht.
Für mich reicht der zweite Besuch in Dream Harbor nicht ganz an die besondere Herbstgemütlichkeit des ersten Bandes heran. Trotzdem habe ich Hazel und Noah gern begleitet und mich in dieser warmen, ein wenig idealisierten Welt erneut wohlgefühlt.
✨ Bewertung: 4 von 5 Sternen
Eine süße und charmante Wohlfühlromanze, die weniger nach Herbstlaub, dafür umso mehr nach Zimt, Meeresluft und einem kleinen Abenteuer zwischen Bücherregalen duftet.
