Zatalon-2 – 288 Seiten – 2026 erschienen
Mit Fangalton – Und das verborgene Geheimnis entführt Carmanda Bücherhexe ihre Leserinnen und Leser erneut in eine magische Welt, in der Erinnerungen, Freundschaften und die eigene Identität eng miteinander verbunden sind. Der Fantasyroman ist der zweite Band der Geschichte rund um Viola und knüpft an Zatalon – Und die Reise der Verwandlung an. Obwohl das Buch zentrale Zusammenhänge noch einmal aufgreift, würde ich auf jeden Fall empfehlen, den ersten Teil vorher zu lesen. Gerade die Beziehungen zwischen den Figuren, Violas persönliche Entwicklung und einige emotionale Momente entfalten ihre Wirkung deutlich stärker, wenn man ihre Vorgeschichte bereits kennt. Mit 288 Seiten ist der Roman vergleichsweise kompakt, bietet aber dennoch eine abwechslungsreiche Mischung aus fantastischem Abenteuer, Geheimnissen und emotionalen Themen. Im Mittelpunkt steht erneut eine junge Protagonistin, die sich nicht nur äußeren Gefahren stellen muss, sondern auch mit Unsicherheiten, verdrängten Wahrheiten und der Frage kämpft, wem sie wirklich vertrauen kann. Dadurch ist Fangalton weit mehr als eine klassische Reise durch eine magische Welt. Das Buch beschäftigt sich mit Verlust, Erinnerung, Loyalität und der Bedeutung von Zusammenhalt. Besonders interessant fand ich dabei das Grundmotiv des Vergessens. Erinnerungen werden hier nicht einfach als etwas Selbstverständliches betrachtet, sondern als wichtiger Bestandteil der eigenen Persönlichkeit. Was bleibt von einem Menschen, wenn entscheidende Teile seiner Vergangenheit verschwinden? Und wie erkennt man die Wahrheit, wenn selbst die eigenen Gedanken kein verlässlicher Anhaltspunkt mehr sind? Diese Fragen verleihen der Geschichte eine überraschend nachdenkliche Ebene und sorgen dafür, dass die Handlung trotz ihrer märchenhaften Elemente auch emotional greifbar bleibt.
Die Handlung beginnt mit Violas Rückkehr nach Fangalton, einem mystischen Dorf, das sie aus früheren Erlebnissen kennt. Doch die vertraute Umgebung hat sich verändert. Wo früher Leben, Gemeinschaft und Magie zu spüren waren, herrschen nun Stille, Leere und eine bedrückende Trostlosigkeit. Viele Bewohner scheinen wichtige Erinnerungen verloren zu haben und verhalten sich, als wäre ein Teil ihrer Persönlichkeit ausgelöscht worden. Viola erkennt schnell, dass hinter dieser Veränderung mehr steckt als gewöhnliches Vergessen. Gemeinsam mit ihren ungewöhnlichen Begleitern versucht sie herauszufinden, was in Fangalton geschehen ist und wie der Fluch gebrochen werden kann. Zu ihrer Gruppe gehören unter anderem der sprechende Hund Scooby, die lebensfrohe Mantodea und die schelmische Elfe Falina. Jede dieser Figuren bringt eine andere Dynamik in die Geschichte und sorgt dafür, dass die düstere Grundstimmung immer wieder durch humorvolle oder warmherzige Momente aufgelockert wird. Während Viola nach Antworten sucht, wird zunehmend deutlich, dass die Vergangenheit noch lange nicht abgeschlossen ist. Alte Geheimnisse, gefährliche Gegenspielerinnen und eine rätselhafte magische Bedrohung zwingen sie dazu, ihren eigenen Erinnerungen und den Menschen in ihrer Umgebung immer wieder kritisch zu begegnen. Dabei entwickelt sich die Geschichte zu einer Mischung aus magischer Spurensuche, Abenteuer und persönlicher Reise, bei der nicht nur Fangaltons Schicksal, sondern auch Violas eigene Identität eine wichtige Rolle spielt.
Der Schreibstil von Carmanda Bücherhexe ist leicht zugänglich und insgesamt sehr direkt. Die Autorin verliert sich nur selten in langen Beschreibungen, sondern führt zügig von einer Situation zur nächsten. Dadurch lässt sich das Buch schnell lesen und eignet sich besonders für Leserinnen und Leser, die fantasievolle Geschichten mögen, aber keinen stark verschachtelten Weltenbau erwarten. Die Sprache wirkt häufig lebendig und emotional, wobei die Gefühle der Figuren klar im Vordergrund stehen. Man merkt, dass der Roman nicht nur eine spannende Handlung erzählen möchte, sondern vor allem von Freundschaft, Mut und persönlichem Wachstum lebt. Gerade Viola wird stark über ihre Gedanken, Zweifel und Reaktionen charakterisiert. Sie erscheint nicht als unerschütterliche Heldin, die auf jede Gefahr sofort eine Antwort kennt. Stattdessen muss sie Entscheidungen treffen, obwohl ihr wichtige Informationen fehlen und sie nicht immer sicher sein kann, wem sie vertrauen darf. Das macht ihre Situation nachvollziehbar und lässt sie menschlich wirken.
Die Atmosphäre gehört für mich zu den interessantesten Aspekten des Buches. Fangalton besitzt etwas Märchenhaftes, gleichzeitig liegt über dem Ort eine spürbare Schwere. Das Dorf erscheint nicht einfach nur verlassen oder verändert, sondern beinahe so, als wäre ihm seine Seele genommen worden. Die verlorenen Erinnerungen der Bewohner verstärken dieses Gefühl, denn das Bedrohliche bleibt zunächst schwer greifbar. Es gibt keinen gewöhnlichen Gegner, den man eindeutig erkennen und bekämpfen könnte. Stattdessen ist das Vergessen selbst allgegenwärtig. Es verändert Beziehungen, zerstört Vertrauen und nimmt den Figuren einen Teil ihrer Sicherheit. Dadurch entsteht eine unterschwellige Spannung, die weniger von brutaler Action als von Unsicherheit und Geheimnissen lebt.
Trotz dieser melancholischen Grundstimmung wird die Geschichte nie durchgehend bedrückend. Vor allem Scooby, Mantodea und Falina bringen Wärme und Leichtigkeit in die Handlung. Scooby ist für mich erneut eine der Figuren, die man besonders schnell ins Herz schließen kann. Seine Rolle geht über die eines niedlichen tierischen Begleiters hinaus. Er vermittelt Sicherheit, Loyalität und eine gewisse Weisheit, ohne dabei seine charmante Wirkung zu verlieren. Auch die unterschiedlichen Persönlichkeiten innerhalb der Gruppe sorgen für lebendige Gespräche und kleine Reibungen. Dadurch entsteht das Gefühl einer Gemeinschaft, die nicht deshalb funktioniert, weil alle gleich denken, sondern weil sie trotz ihrer Unterschiede füreinander einsteht. Gerade diese Balance aus düsterer Magie und liebevollen Figurenmomenten macht den besonderen Ton des Romans aus.
Zu den größten Stärken des Buches zählt für mich deshalb das Zusammenspiel der Figuren. Viola muss ihre Aufgabe nicht allein bewältigen, und ihre Begleiter wirken nicht wie bloßes Beiwerk. Sie bringen eigene Eigenschaften, Fähigkeiten und emotionale Bedeutungen mit. Die Geschichte zeigt überzeugend, dass Mut nicht unbedingt bedeutet, keine Angst zu haben. Vielmehr entsteht Mut hier daraus, trotz Unsicherheit weiterzugehen und Verantwortung für andere zu übernehmen. Auch das Thema Erinnerung ist sehr passend in die Handlung eingebunden. Es wird nicht nur als magisches Problem verwendet, sondern besitzt eine emotionale Funktion. Erinnerungen bestimmen, wem wir uns verbunden fühlen, welche Erfahrungen uns geprägt haben und wie wir uns selbst wahrnehmen. Dass ausgerechnet diese Grundlage ins Wanken gerät, macht die Bedrohung persönlich.
Eine weitere Stärke ist das hohe Erzähltempo. Es passiert regelmäßig etwas Neues, sodass die Handlung kaum längere Leerlaufphasen besitzt. Geheimnisse werden nach und nach angedeutet, Gefahren tauchen auf und Violas Suche erhält immer wieder neue Richtungen. Dadurch bin ich schnell durch die Seiten gekommen. Gleichzeitig liegt hier aber auch eine kleine Schwäche. Manche Entwicklungen hätten für meinen Geschmack mehr Raum verdient. Gerade emotionale Erkenntnisse, Veränderungen innerhalb der Beziehungen oder wichtige Enthüllungen folgen teilweise recht schnell aufeinander. An einigen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichte kurz innehält und den Figuren mehr Gelegenheit gibt, das Erlebte zu verarbeiten. Auch der Weltenbau hätte stellenweise noch ausführlicher sein können. Fangalton ist als magischer Ort sehr interessant, doch einige Schauplätze und Hintergründe bleiben eher skizzenhaft. Ich hätte gerne noch mehr über die Regeln dieser Welt, ihre Vergangenheit und ihre Bewohner erfahren.
Persönlicher Eindruck
Mein persönliches Lesegefühl war insgesamt sehr positiv. Besonders gefiel mir, dass die Geschichte trotz aller Magie einen emotionalen Kern besitzt. Viola ist eine Figur, mit der ich gerne durch diese Welt gereist bin. Ihre Entschlossenheit wirkt nicht künstlich oder übertrieben, weil sie immer wieder mit Zweifeln und Unsicherheiten konfrontiert wird. Gleichzeitig bleibt sie handlungsfähig und versucht, Verantwortung zu übernehmen. Dadurch entsteht eine Protagonistin, die Stärke zeigt, ohne unverwundbar zu sein. Auch ihre Verbundenheit mit den anderen Figuren konnte mich erreichen. Viele der schönsten Momente entstehen nicht während großer magischer Auseinandersetzungen, sondern in kleinen Gesten der Loyalität, in humorvollen Gesprächen oder in Situationen, in denen die Gruppe einander Halt gibt.
Scooby war dabei erneut eines meiner persönlichen Highlights. Der sprechende Hund bringt genau die richtige Mischung aus Wärme, Witz und Weisheit mit. Seine Anwesenheit lockert viele Szenen auf, ohne die ernsteren Themen lächerlich erscheinen zu lassen. Auch Falinas schelmische Art und Mantodeas fröhliche Energie geben der Gruppe Persönlichkeit. Durch diese Figuren wirkt die Reise lebendig und abwechslungsreich. Gleichzeitig mochte ich die nachdenklichen Fragen, die hinter der Handlung stehen. Das Buch zeigt, wie verletzlich eine Gemeinschaft wird, wenn ihre gemeinsamen Erinnerungen verschwinden. Es erinnert aber auch daran, dass Beziehungen nicht nur aus Vergangenheit bestehen, sondern durch Vertrauen, Entscheidungen und gegenseitige Unterstützung immer wieder neu geschaffen werden können.
Insgesamt ist Fangalton und das verborgene Geheimnis eine fantasievolle und warmherzige Fortsetzung, die besonders durch ihre ungewöhnlichen Figuren, das Motiv des Erinnerungsverlustes und die Verbindung aus märchenhafter Magie und emotionalen Themen überzeugt. Das Buch liest sich schnell, besitzt ein angenehmes Erzähltempo und vermittelt eine klare Botschaft über Mut, Freundschaft und Zusammenhalt. Viola entwickelt sich glaubwürdig weiter und muss lernen, dass die Wahrheit manchmal schmerzhaft sein kann, aber dennoch notwendig ist, um den eigenen Weg zu finden. Kleinere Schwächen zeigen sich im stellenweise knappen Weltenbau und in einigen zu schnell abgehandelten Entwicklungen. Hier wäre mehr Sorgfalt wünschenswert gewesen, da die Geschichte selbst viele schöne Ideen enthält und emotional durchaus berühren kann.
✨ Bewertung: 4 von 5 Sternen
Wer bereits Zatalon mochte, Viola und ihre außergewöhnlichen Begleiter vermisst hat und gerne Fantasygeschichten über Erinnerung, Freundschaft und Selbstfindung liest, dürfte auch mit diesem zweiten Band eine schöne Lesezeit verbringen.
