Es gibt Veranstaltungen, bei denen schon die Verbindung aus Ort und Programm neugierig macht. Ein Buchfestival auf einer Burg gehört für mich eindeutig dazu. Zwischen historischen Mauern über Liebesgeschichten sprechen, Autorinnen begegnen und für einen Tag in die Welten von Romance, Romantasy und Dark Romance eintauchen: Die Idee des Luvvanova Bookfest versprach einen besonderen Rahmen für etwas, das sonst oft zwischen Buchseiten, auf dem Sofa oder im Austausch auf Social Media stattfindet. Am 5. September 2026 feierte das Festival auf Burg Satzvey in Mechernich seine Premiere.
Mein persönlicher Eindruck von „Chapter One“ war durchaus gut. Das Festival brachte unterschiedliche Themen und Autorinnen zusammen und bot damit verschiedene Möglichkeiten, den Tag nach den eigenen Interessen zu gestalten.
Burg Satzvey gab dem Festival einen Rahmen, der besonders zur Romantasy passte. Historische Architektur regt die Vorstellungskraft an, noch bevor die erste Geschichte erzählt wird. Bei einem Veranstaltungsort wie diesem braucht es wenig, um gedanklich bei geheimnisvollen Anwesen, verborgenen Begegnungen oder fantastischen Welten anzukommen. Dabei musste das Programm keineswegs ausschließlich fantastische Stoffe behandeln. Auch zeitgenössische Liebesgeschichten fanden hier ihren Platz. Gerade diese Verbindung machte die Idee reizvoll: Bücher, die emotional sehr unterschiedliche Räume öffnen, begegneten sich an einem Ort mit eigenem Charakter.
Das Gelände wurde mit vier Bühnen beziehungsweise Veranstaltungsbereichen bespielt: der Main Character Stage, dem Castle Courtyard, dem Red Room und der Romance Meadow. Open-Air-Flächen, Burghof und Innenräume ermöglichten unterschiedliche Kulissen für die Gespräche.
Zum Line-up gehörten unter anderem Sarah Sprinz, Merit Niemeitz, Kyra Groh, Kristina Moninger, Ayla Dade, Maren Vivien Haase und Antonia Wesseling. Ebenso waren beispielsweise Selina Mae, Ronja Madeleine, Lara Holthaus, Laura Labas, Juli Dorne, Penny Juniper, Julia Pauss, Becca S. Hale, Beril Kehribar, Elle Ellis, Linda Schipp, Inka Lindberg und Tonia Krüger vertreten.
Schon diese Zusammenstellung zeigt, wie viele verschiedene Leseinteressen das Festival ansprechen konnte. Wer bestimmte Autorinnen bereits kannte, hatte vertraute Anknüpfungspunkte. Wer sich innerhalb der Genres neu orientieren wollte, bekam zahlreiche Namen für die nächste Leseliste mit.
Als internationale Headlinerin war die US-Autorin K. M. Moronova dabei, deren Werk unter anderem Dark Romance und Dark Fantasy Romance umfasst. Der Veranstalter hob im Vorfeld besonders ihr „Dark Forces“-Universum hervor. Ihre Teilnahme ergänzte das deutschsprachige Line-up um eine internationale Perspektive. Für Leser ist es schließlich etwas Besonderes, eine Autorin außerhalb jener Ausschnitte wahrnehmen zu können, die durch Buchtexte, Interviews oder kurze Videos vermittelt werden. Ein Bühnenauftritt eröffnet die Möglichkeit, mehr über die Person und ihre Arbeit zu erfahren.
Zur Gestaltung des Tages gehörten außerdem Moderationen durch Stimmen aus der Buchcommunity und dem Hörbuchbereich, darunter Jess Manora, Roxy Grimm, Tabea Grunert, Henrike Tönnes, Pia-Rhona Saxe und Nina-Carissima Schönrock. Für ein Gesprächsformat ist diese Rolle wesentlich. Gute Fragen helfen, einen Gedanken weiterzuführen, und geben einer Autorin Gelegenheit, über vertraute Kurzantworten hinauszugehen. Zugleich brauchen Besucher, die ein Buch noch nicht kennen, genügend Orientierung. Diese Verbindung aus Zugang und Vertiefung entscheidet mit darüber, was man aus einem Bühnenprogramm mitnimmt.
Neben den Gesprächen gab es die sogenannten Side Quests. Zum Angebot gehörten Bogenschießen mit „Erlebe Abenteuer“ und Einblicke in die Schwertkampfkunst beim Sword Yoga mit „Disciplinada della Spada“. Solche Aktivitäten passen zu einem Festival, das Literatur auch über Bewegung und eigenes Ausprobieren erlebbar machen möchte. Besonders bei fantastischen Geschichten liegt diese Verbindung nahe. Wer sonst von kämpfenden Heldinnen liest, kann sich einer entsprechenden Tätigkeit hier auf ganz andere Weise annähern. Das erweitert die Möglichkeiten, zwischen zwei Bühnenprogrammen etwas zu unternehmen.
Ein weiteres Angebot waren die DIY-Farbschnitt-Workshops mit Kathispaintingedges. Dabei konnten Teilnehmer das Bemalen von Buchschnitten ausprobieren. Außerdem war die Tätowiererin Becci von Eisvogel Tattoo angekündigt, deren Motive unter anderem Fantasy-, Tier- und florale Elemente aufgriffen. Bücher wurden damit auch zum Ausgangspunkt für kreative und gestalterische Angebote. Gerade Farbschnitte haben einen unmittelbaren Bezug zum Buch als Gegenstand: Wer selbst gestaltet, beschäftigt sich für einen Moment mit einer anderen Seite dessen, was später im Regal steht.
Mich spricht an dieser Idee besonders die Möglichkeit an, den Tag unterschiedlich zu nutzen. Manche Besucher möchten möglichst viele Gespräche hören, andere legen Wert auf Begegnungen oder kreative Angebote. Ein Festival kann diese Interessen nebeneinander zulassen. Dabei muss nicht jede Aktivität für jeden Menschen passen. Die Auswahl schafft vielmehr Freiräume. Für mich bleibt entscheidend, dass die Bücher und ihre Geschichten den Zusammenhang herstellen. Dann können zusätzliche Angebote einen Tag bereichern, ohne dass man überall teilnehmen muss, um das Gefühl zu haben, etwas davon mitzunehmen.
Auch für Menschen mit eigenen Schreibideen gab es einen Anknüpfungspunkt: Beim von Books on Demand unterstützten Gespräch mit der Autorin Christina Rain und der Lektorin Romy Schneider ging es um den Weg zum eigenen Buch. Angesprochen wurden unter anderem der Einstieg ins Schreiben, die Entwicklung von Figuren und der Umgang mit dem inneren Kritiker. Das fand ich als Bestandteil des Konzepts passend. Lesen und Schreiben liegen für viele Menschen nah beieinander. Ein Festival kann deshalb sowohl Lieblingsgeschichten feiern als auch dazu anregen, die eigenen Ideen ernster zu nehmen.
Zum Entdecken und Kaufen gehörte die Pop-up-Buchhandlung von Reuffel aus Koblenz. Dort wurden Bücher der Festivalautorinnen angeboten, die sich mit den Signiermöglichkeiten verbinden ließen. Auf der Ausstellendenliste standen außerdem Seluux Shop mit buchbezogenen Produkten, airytale mit illustrierten Shirts und Stickern sowie themagickwithinyou mit unter anderem Tee, Kerzen und Schmuck. Damit gab es neben dem Bühnenprogramm auch Angebote zum Stöbern. Gerade die Verbindung zwischen einem Gespräch, dem dazugehörigen Buch und einer möglichen Signatur ist für ein solches Festival sinnvoll.
An diesem Punkt liegt allerdings auch meine wichtigste Anregung für eine weitere Ausgabe. Ich hätte mir mehr Buchstände gewünscht, besonders von Selfpublisher. Mir geht es dabei um die Möglichkeit, zwischen den Programmpunkten auf Geschichten zu stoßen, die vorher noch überhaupt nicht auf meiner Leseliste standen. Ein interessantes Cover kann der Anfang sein, ein Klappentext den nächsten Impuls geben. Wenn die Person hinter dem Buch direkt danebensteht und etwas darüber erzählen kann, entsteht eine Form der Begegnung, die sich durch einen zentralen Verkaufsbereich allein kaum ersetzen lässt.
Gerade solche Entdeckungen machen für mich einen Bucheventbesuch besonders. Natürlich ist es schön, Autorinnen zu erleben, deren Bücher man bereits kennt oder auf die man sich schon lange freut. Daneben wünsche ich mir aber auch Raum für das Ungeplante: einen Namen, den ich zum ersten Mal lese, eine ungewöhnliche Idee oder ein Buch, das ich ohne dieses Gespräch vielleicht nie in die Hand genommen hätte. Das muss kein großer Kauf sein. Schon eine neue Geschichte, für die plötzlich Interesse entsteht, kann den Tag nachhaltig bereichern.
Mehr Selfpublishing-Stände würden aus meiner Sicht gut zum Festival passen. Sie könnten das vorhandene Bühnenprogramm um unmittelbare Gespräche in einem kleineren Rahmen ergänzen. Während auf einer Bühne meist ein bestimmtes Thema im Mittelpunkt steht, kann sich am Stand ein individueller Austausch entwickeln: Was suche ich gerade als Leserin? Ist die Geschichte eher düster oder leicht? Handelt es sich um einen Einzelband oder eine Reihe? Solche Fragen helfen bei einer Kaufentscheidung und schaffen zugleich eine Verbindung zwischen Buch und Autor.
Dieser Punkt verändert meinen insgesamt guten Eindruck der Premiere nicht. Die Auswahl des Bühnenprogramms war für mich eine Stärke, und der Veranstaltungsort gab der Idee einen passenden Rahmen. „Für das erste Mal gut“ bedeutet in meinem Fall, dass die Grundlage überzeugt hat und ich zugleich Möglichkeiten zur Weiterentwicklung sehe. Ich brauche bei einer Premiere nicht das Gefühl, dass jede denkbare Idee bereits umgesetzt wurde. Wichtiger ist, dass ich erkennen kann, was den Charakter der Veranstaltung ausmacht und weshalb eine weitere Ausgabe interessant sein könnte.
Die Fortsetzung ist inzwischen angekündigt: „Chapter Two“ soll am 3. Juli 2027 erneut auf Burg Satzvey stattfinden. Damit bekommt das Festival die Gelegenheit, an seine erste Ausgabe anzuknüpfen. Für mich wäre ein Ausbau der Buchstände eine besonders schöne Ergänzung. Bekannte Autorinnen und neue Entdeckungen könnten sich dann noch stärker verbinden: auf den Bühnen Gespräche und Einblicke, dazwischen kleinere Begegnungen und Bücher, die man ganz unerwartet für sich findet.
Mein Rückblick auf das erste Luvvanova Bookfest fällt deshalb positiv aus. Die Kombination aus Burgkulisse, Autorinnen und einer abwechslungsreichen Programmauswahl hatte für mich ihren Reiz. Besonders gefallen hat mir, dass die Bühnen unterschiedliche Interessen aufgriffen und damit mehrere Zugänge zu den Geschichten ermöglichten. Mit mehr Ständen von Selfpublisher könnte das Festival künftig noch stärker zu einem Ort werden, an dem man neben vertrauten Namen auch unbekannte Bücher entdeckt. Das erste Kapitel war für mich ein guter Auftakt – und das nächste darf gern noch mehr Geschichten bereithalten, mit denen ich vorher nicht gerechnet habe.
