367 Seiten – 2025 erschienen
Under The Mistletoe – Die zwangsläufige Zeit der Liebe ist eine Sammlung von fünf romantischen Kurzgeschichten, herausgegeben von fünf bekannten Autorinnen der zeitgenössischen Romance: Ali Hazelwood, Tessa Bailey, Olivia Dade, Alexandria Bellefleur und Alexis Daria.Jede Geschichte ist in sich abgeschlossen, doch verbindet sie ein gemeinsames Motiv: die kalte Jahreszeit, Eis und Schnee, Nähe und Abstand, Liebe, die unverhofft durch einen Schneesturm, eine Nachbarschaft, ein Treffen bei unerwarteten Umständen oder durch Alltagssituationen aktiviert wird.
Der Schreibstil in Under The Mistletoe ist insgesamt leicht, zugänglich und auf Emotionalität getrimmt, wie man es von Romance-Kurzgeschichten erwartet. Sprachlich dominieren klare Dialoge, oft mit witzigen, charmanten Wortwechseln, die dazu dienen, Charaktere rasch zu etablieren und ihre Chemie spürbar zu machen. Die Beschreibungen sind nicht überladen, aber ausreichend, um winterliche Settings lebendig werden zu lassen: Schneetreiben, Lichterglanz, kalte Luft, gemütliche Innenräume – all das bildet die Kulisse, in der sich Anziehung und Unsicherheit entfalten. Diese Atmosphäre wird unterstützt von einem Erzähltempo, das bewusst nicht träge ist: Keine Geschichte vergeudet Zeit mit endlosen Rückblenden oder ausschweifenden Beschreibungen, stattdessen gibt es ein zügiges Voranschreiten der Handlung, sodass der Leser schnell in Emotionen investiert ist.
Jede Autorin bringt ihre eigene Note: Hazelwoods Geschichte wirkt etwa etwas reflektierter, in Baileys Beitrag spürt man stärker das ländliche Terrain und die Bodenständigkeit, Dade und Bellefleur liefern Komplikationen durch Alltag und Verantwortlichkeiten, und Darias Erzählung bringt mit Fantasieelementen ein leicht verspieltes Element hinein.
Zu den großen Stärken dieser Anthologie gehört ihre Vielfalt innerhalb eines Genre-Tropus. Obwohl jede Geschichte „weihnachtlicher Romance“ folgt, gelingt es den Autorinnen, unterschiedliche Ausgangspunkte zu wählen – Sandkastenfeindschaft, Single-Parenting, Nachbarschaftsfantasien etc. – so dass sich das Lesen frisch anfühlt, auch über mehrere Stories hinweg. Die emotionale Balance ist gelungen: Man wird nicht mit überwältigendem Drama konfrontiert, aber auch nicht mit belangloser Seichtheit. Vielmehr gibt es intime Momente, kleine Krisen, ehrliche Gespräche und spürbare Anziehung. Die Charaktere sind meist sympathisch und glaubhaft genug, dass man mitleidet oder hofft, ohne dass sie perfekte, unfehlbare Figuren sind. Auch die Übersetzung leistet gute Arbeit: Sprache und Ton wirken natürlich, und das winterliche Setting, das Ambiente der Weihnachtszeit kommt auch auf Deutsch überzeugend rüber. Die Gestaltung mit Character Cards und besonderem Buchschnitt wurde als schöner Bonus wahrgenommen – das Buch ist nicht nur inhaltlich, sondern auch haptisch ansprechend.
Natürlich gibt es aber auch Schwächen. Weil es Kurzgeschichten sind, bleibt die Tiefe in manchen Fällen etwas oberflächlich: Charakterentwicklungen müssen häufig schnell ablaufen, und manche Konflikte wirken etwas vorhersehbar. Wer viel Erfahrung mit Romance hat, erkennt Tropen wie „Enemies to Lovers“, „Forced Proximity“ oder „Secret Crush“ frühzeitig, und manche Wendungen sind kaum überraschend. Zudem variiert die Qualität zwischen den Teilen: Manche Geschichten profitieren stärker vom Setting oder der Chemie, andere könnten stärker ausgearbeitet sein, etwa wenn Nebencharaktere eigentlich nur als Kulisse dienen. Erotik und Spannung sind vorhanden, aber jeweils auf unterschiedlichen Niveaus. Zudem können die winterlichen und festlichen Elemente manchmal mehr Klischee sein als Innovation: Der Schnee, das Festessen, das plötzliche Zusammensein – es ist alles schön, aber nicht immer neu.
Persönlicher Eindruck
Während ich las, hatte ich oft das Gefühl, in eine Decke gehüllt zu sein – nicht nur wegen der winterlichen Beschreibungen, sondern auch wegen der Wärme, die in zwischenmenschlichen Momenten liegt. Es ist kein Buch, das mich umgehauen hätte durch große literarische Experimente, doch es hat genau das gehalten, was ich erwartet hatte: Wohlfühlromance, schmerzfreie Eskapade und Herzklopfen. Besonders in Hazelwoods Geschichte spürte ich, wie sympathisch Jamie und Marc gestaltet sind – ihre Vergangenheit und die langsam wieder aufblitzende Spannung zwischen ihnen sind glaubwürdig und einnehmend. Baileys Teil berührte mich, weil die alleinerziehende Mutter eine realistische Figur ist, mit Verpflichtungen und Zweifeln, und die Begegnung mit Luke nicht einfach romantische Flucht ist, sondern auch Alltag und Hoffnung verbindet. Auch Evies Fantasien bei Alexis Daria – dieser spielerische Umgang mit Erwartung und Realität – war ein Highlight: Es erinnerte mich daran, wie Romantasy-Elemente die Alltagserwartungen unterbrechen können, und das macht gerade in Kurzgeschichten etwas Besonderes. Weniger eindrücklich waren die Geschichten, bei denen das Setting kaum Eigenleben hat – da fühlte ich manchmal, als würde ich zwischen Storys springen, ohne ganz angekommen zu sein. Aber insgesamt war das Leseerlebnis verspielt und entspannend, mit einigen Funken, die mich lächeln ließen.
Under The Mistletoe – Die zwangsläufige Zeit der Liebe ist eine gelungene Sammlung von romantischen Kurzgeschichten, ideal für alle, die sich in der Weihnachtszeit in Wärme, Nähe und zarten Gefühlen suhlen wollen. Sie bietet keine großen literarischen Revolutionen, doch sie liefert genau das, was man von einem solchen Buch erwartet: unterschiedliche Liebesgeschichten, etwas Erotik, festliche Stimmung, charmante Figuren und das Versprechen, dass Liebe selbst in Kälte und Sturm möglich ist. Einige Teile sind stärker als andere, und die Tropen mögen vertraut sein, doch das tut dem Genuss keinen großen Abbruch. Für Leser:innen, die zu Weihnachten ein Herz-und-Seelenbuch, kein Kopfzerbrechen wollen, ist dieses Werk eine sehr schöne Wahl.
✨ Bewertung: 4 von 5 Sternen
Ein stimmiges, warmherziges und romantisches Leseerlebnis, das hier und da mehr Tiefe bieten könnte, aber insgesamt viel Freude macht und perfekt in die kalte Jahreszeit passt.
